Kapitel 1 - Akt 3: Der Überfall

 

Wie sich heraus stellte, wollte er, dass wir ein paar der Arbeiter im Versorgungscamp von Home III, nicht weit von selbigem, unterstützten. Was genau Bartfratze sich unter dieser Unterstützung vorgestellt hatte, erfuhren wir erst an Ort und Stelle von einer der Wachen des Camps: Wie uns schon auf dem Weg dort hin aufgefallen war, war nicht zu verleugnen, dass das Lager von einer bedenklichen Masse wilder Dämonen geradezu umzingeln war. Die Wache erklärte uns, dass in ganz Home III offenbar keine Mitarbeiter kompetent genug waren, um sich mit dem, zugegeben ziemlich aggressiven, Mob rund um das Camp an zu legen und die Versorgung des Home somit in den Händen unerfahrener Dämonenjäger wie uns läge, die offenbar in regelmäßigen Abständen dazu angehalten wurden, den Versorgungsweg von unerwünschten Haustieren zu befreien.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir wurden gebeten, uns der Cait Sith an zu nehmen, und da sinnloses Töten noch immer eine unserer absoluten Spezialitäten war, hatten wir unser Soll auch schnell erfüllt, obwohl sich die Earthies an unserer Seite als eher hinderlich heraus stellten (Nicht, dass dies einen von uns überrascht hätte...).
Dass es nicht immer empfehlenswert ist, offenehrzig zu zeigen, wozu man fähig ist, bestätigte sich ein weiteres Mal, als die Wache, begeistert von unserer Leistung, daraufhin von uns verlangte, dem Versorgungsweg weiter in Richtung Shinjuku Babel zu folgen, und auch dort alles aus dem Weg zu schaffen, was einen reibungslosen Ablauf der Versorgung von Lagerstelle und damit dem Home potentiell in Gefahr bringen könnte.
Kaum hatten wir einen kleinen Teil des Lieferwegs hinter uns gelassen, wurde uns schlagartig klar, dass es sich unter Umständen tatsächlich schwierig gestalten könnte, das Camp vollgepackt mit Waren über diesem Weg zu erreichen, denn der gesamte Pfad samt Umgebung war soweit das Auge reichte bedeckt mit äußerst kampflustigen Inugami, einigen der riesigen Caith Sith sowie einer Kreatur, die an ein fliegendes Origamikunstwerk erinnerte, und einen ebenso feindseligen Eindruck machte wie der restliche Mob um es herum.

Noch bevor der Gedanke, all das einfach sein zu lassen und kommentarlos zu verschwinden, uns auch nur streifen konnte, waren die Inugami bereits gefährlich nah an uns heran gerückt und machten sich vereinzelt bereits zum Angriff bereit, als die Earthies spontan beschlossen, ihre Existenz zu rechtfertigen. Wo möglich, schoben sie sich zwischen uns und die Inugami und auf ihren Befehl hin, brauten sich über den Köpfen der Hundedämonen kaum sichtbare Wölkchen zusammen, um sich direkt darauf mit einem fies knisternden Laut zu entladen, woraufhin die Wauwaus tot zu Boden fielen.
Der liebliche Duft von Gebratenem erfüllte die Luft, als wir uns von dem Anblick der gerösteten Hunde los rissen, um die Earthies nach Kräften zu unterstützen - bald allerdings durften wir feststellen, dass auch die elektrischen Angriffe der hässlichen Klumpen uns noch lange nicht unbesiegbar machten, da sich die Masse der Inugami schlicht nicht (wie sollte sie auch?) verringerte. Zwar verhinderte die Größe des Mobs auch erfolgreich, dass die Origamikreatur ihren Weg zu uns fand, aber der Fluss der Dämonen, deren Angriffe uns nach wie vor von allen Seiten zu zermürben suchten, schien einfach nicht abreissen zu wollen und als sich schliesslich auch noch ein Dämonenjäger, der sich uns schon zuvor in Home III kurzzeitig aufgedrängt hatte, (es aber bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht einmal wert gewesen wäre, überhaupt Erwähnung zu finden) zu uns verwirrte, sollte dies alles alles andere als ein gutes Omen sein.
Etwas planlos blieb er für einige Minuten am Rande des Mobs, der sich immer dichter um uns zu drängen schien, stehen, ehe er schließlich eine Waffe zog und zaghaft damit begann, ein paar der Inugami mit Schüssen zu attackieren. Was auf den ersten Blick wie eine nette Tat schien, reichte allerdings kaum aus, um auch nur ein paar der Dämonen zu Boden zu schicken und stachelte den übrigen Teil der Meute nur noch unnötig an.

Natürlich erwartet eine derart hilfreiche Person aber auch zumindest etwas Beachtung für ihre freundliche Unterstützung und so richtete der Dämonenjäger (dessen Namen wir an dieser Stelle natürlich nicht nennen und den wir deshalb aus Gründen der Einfachheit einfach mal RSX0815 taufen) höflich das Wort an uns, während er unbeirrt von der wachsenden Aggression der Inugami fröhlich weiter in den Mob rotzte, und erzählte uns... ich weiss nicht, was; es könnte das Wetter in Russland, die Hobbies seine Großmama oder auch der Umfang seiner Unterhosensammlung gewesen sein, auf jeden Fall hörte er einfach nicht auf zu labern, was angsichts der Tatsache, dass wir krampfhaft versuchten, uns nicht häufiger als unbedingt nötig von den Füßen reissen zu lassen, ausgesprochen unhilfreich war, zumal er sich auch von unseren betont knappen und wenig höflichen Antworten nicht verscheuchten liess.

Als wir uns nach gefühlten fünf Stunden endlich bis zum Riesenorigami, mit Namen übrigens Shikigami, vorgearbeitet hatten, durften wir zwar feststellen, dass dieses äusserst elektrizitätsresistent war, aber um auf die Idee zu kommen, ein Stück Papier einfach nur an zu zünden, musste man wahrlich kein Genie sein, so dass das Riesenvieh im Vergleich zum, selbst im Nachhinein betrachtet noch äusserst kranken, Inugamimob mehr als schnell down ging.

Das Positive an RSX0815 war, dass unsere Erleichterung, die Aufgabe der Campwache erfüllt zu haben, umso größer war, nachdem wir es geschafft hatten, einen unaufmerksamenen Moment seinerseits zu nutzen, um uns unauffällig aus dem Staub zu machen und zur Lagerstelle zurück zu schleichen, wo der Arbeiter, der uns mit dem Meucheln der Dämonen beauftragt hatte, bereits ungeduldig erwartete.
Wie zu erwarten war, hatte er auch nicht vor, uns für unsere Tat zu danken, sondern wollte vermutlich einfach nur wissen, ob wir den Weg gesichert hatten. Wir bestätigten dies guten Gewissens und bekamen die Bitte, uns nach unserer Rückkehr am Serviceeingang von Home III zu melden, mit auf den Heimweg, welchen wir auch eilig antraten, bevor der Wache noch ein Pfad in den Sinn kam, den sie uns reinigen lassen könnte.

Wieder im Home mussten wir natürlich wieder erst einmal fett einkaufen, und auch der Schattenkathedrale einen kleinen Besuch abstatten, der für Fraise in einem neuen, äusserst freundlich drein blickendem Begleiter resultierte.
Schliesslich fanden wir uns wie versprochen am Serviceeingang ein, wo die Wache uns immerhin ohne große Widerrede den Zugang zu den Arbeiterdurchgängen erlaubte und eine Zutrittskarte in die Hand drückte, durch deren Anwendung wir in eine der kleineren Lagerhallan gelantgten. Dort angekommen, fanden wir eine kleine Gruppe sogenannter Unschuldiger, für niedere Arbeiten geschaffene Androiden, vor, die allem Anschein nach gerade von einer der Wachen vollgeschnackt wurden. Ein kleines Rotkäppchen, oder genauer, ein Unschuldiger in der Form eines Kindes stach dabei besonders aus der Gruppe hervor, was nicht einmal an seiner ungewöhnlichen Kleidung, sondern vielmehr auch daran lag, dass er unaufgefordert das Wort an einen der anderen(?) Unschuldigen neben sich richtete und dabei durchaus den Eindruck vermittelte, so etwas wie Optimismus zu empfinden.

Die Zeit, uns darüber zu wundern, wurde uns allerdings nicht gegönnt, denn das Rotkäppchen hatte seine Worte kaum ausgesprochen, als die uns gegenüber liegende Tür einem immensen Durck nach gab und zusammen brach, nur um den Blick auf jemanden frei zu geben, den wir nicht unbedingt vermisst hatten:  Das Taraka, das wir zu Beginn unseres "Abenteuers" unter so unglücklichen Umständen kennen gelernt hatten, hatte offenbar beschlossen, uns einen kleinen Besuch ab zu statten.
Ungeachtet der Tatsache, dass wir nicht einmal die Zeit hatten, für das Taraka alleine Kaffee und Kuchen vor zu bereiten, schien es die großartige Idee gehabt zu haben, Freunde mit zu bringen, denn kaum hatte die wütend geifernde Kreatur sich in den Raum geschoben, drängte sich dicht hinter ihr eine Herde Shikigami in die Halle.

Aus Platz- und vermutlich auch Schissgründen hatte sich die Wache gemeinsam mit den Unschuldigen zurück gezogen, während wir gebannt den Auftritt von Taraka & Friends beobachteten. Als sich die Tür hinter den Feiglingen geschlossen hatte, (Ja ja, Schadensbegrenzung...) schien der Mob das Fehlen der Gastfreundschaft zu realisieren und zeigte sich von seiner weniger diplomatischen Seite. Natürlich waren wir somit gezwungen, die ungebetenen Besucher in ihre Schranken zu weisen und begannen damit, systematisch erst einmal die Shikigami in Flammen aufgehen zu lassen, nur um Taraka daraufhin unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zu kommen lassen zu können.
Obwohl wir ihn um einiges Angst einflössender in Erinnerung hatten, war die Kraft des Dämons kaum groß genug, um uns ernstlich ins Schwitzen zu bringen. Zwar wehrte er sich nach allen ihm gegebenen Möglichkeiten, doch das Stakkato unserer Angriffe zwang ihn schnell genug in die Knie, um den pseudobösen Auftritt komplett lächerlich wirken zu lassen.

Das Verstummen der Schlachtlaute reichte scheinbar nicht aus, um die feige Wache des Lages wieder aus ihrem Versteck zu locken. Nachdem wir den Kadaver des Taraka auf wiederverwertbare Gegenstände untersucht hatten, sahen wir unsere Arbeit im Servicebereich als abgeschlossen an und kehrten zu Snakeman zurück, den unser ungeplant langes Wegbleiben nicht im Geringsten zu stören schien, da ihm dies die Zeit gegeben hatte, den kindlichen Unschuldigen in seine Griffel zu bekommen und sich mit ihm an zu freunden.
Der alte Pädobär graturlierte uns zu diesem "unglaublich seltenen Fund" und der Taraka-Pwnage, (warum auch immer das Auftauchen des Unschuldigen jetzt auf unser Konto ging) schien sich aber nicht weiter dafür zu interessieren, uns über wetere Hintergründe der neuesten Ereignisse auf zu klären. Statt dessen schickte er uns direkt wieder hinüber in die Kathedrale der Schatten, wo man angeblich unsere Hilfe bei weiteren Forschungsarbeiten bräuchte.

 

1 Kommentar A. am 12.11.09 05:05, kommentieren

Kapitel 1 - Akt 2: Omen

 

Der Schattenkathedralenopa mit der Armversteifung erklärte uns, er würde zehn Seelensplitter benötigen und da er vermutlich zu geizig war, die Kathedrale zu verlassen und die dicht umliegenden Verkaufsstände nach den gewünschten Splittern zu durchsuchen, welche für nicht unbedingt viel Geld an eigentlich  jeder Ecke zu finden waren, war es für ihn natürlich das nahe liegendste, Snakemans neuen Azubis zwei Bronze-Scheiben (die keine Scheiben, sondern seltsam schillernde Dreiecke sind, aber sowas kann ja mal vorkommen, speziell bei bereits etwas debileren Personen) in die Hände zu drücken und diese aus zu senden, die Splitterchen zu organisieren.
Da auch wir zu geizig waren, um unser ohnehin knapp bemessenes Geld für Dinge zum Fenster hinaus zu werfen, die man vermutlich auch mit roher Gewalt in seinen Besitz bringen konnte, machten wir uns auf den Weg zum Sunigami-Tunnel, den der Kathedralenopa uns zuvor als Fund- bzw. Suchort für die verlangten Splitter empfohlen hatte.

Dort angekommen fanden wir in einer großen Halle, an deren Rand sich zwei schizophrene Zicklein nieder gelassen hatten, um vorbei ziehenden Reisenden allen möglichen Schund an zu drehen, die definitiv nur den Zweck hatte, eine bedenklich glühende steinerne Tafel zu beinhalten.
Nach kurzem Herumprobieren wurde uns auch recht schnell klar, dass die dreieckigen Bronzescheiben des alten Knackers wohl dieser Tafel geopfert werden mussten, woraufhin diese ein Portal öffnete, welches wiederum den Weg in die Tiefen des Tunnels frei gab. Zögerlich betraten wir also die Instanz und verschafften uns mit Hilfe der Karte erst einmal einen groben Überblick über das, was uns dort Unten erwarten sollte.
Alles in Allem machte dieser Ort auf den ersten Blick einen reichlich ausserirdischen Eindruck, der durch die Tatsache, dass sich in diesem augenscheinlich technikresistenten Gebiet sämtliche Türen wie von Zauberhand selbstständig öffneten, nicht unbedeingt gemildert wurde.
Kaum hatten wir die erste Halle betreten, als auch schon ein Dämonenmob über uns her fiel, der sich allerdings von denen, die wir ausserhalb des Tunnels bereits kennen gelernt hatten, nur durch seine gesteigerte Aggression unterscheid.

Zwar brachten uns die Dämonen dort nur selten in ernsthafte Schwulitäten, doch die kleine Reise in Richtung Erdmittelpunkt reicht trotzdem vollkommen aus, um uns das Pflastergeschenk Snakemans zu erklären, denn wie wir alle wissen gibt es kaum etwas, dass die Heilung ernsthafter innerer Verletzungen und Fleischwunden so gut unterstützt wie Gesundheitsdrinks Pflaster.
Es wäre nicht fair, zu verschweigen, dass die schiere Menge, in der die Gegner hier auf uns einstürmten und somit die ersten Male oft genug off Guard erwischten, durchaus ein gutes Training war, was das Timing unserer Angriffe betrifft, und auch die Dämonen - wir entschieden uns für eine der Pixies sowie einen Zerberusklon zur Unterstützung - profitierten eindeutig von diesen ersten gemeinsamen Schlachten. Zwar würde es noch dauern, bis wir einander gar nicht mehr in die Quere kommen und das Timing des jeweils anderen komplett in die Tonne treten würden, doch verringerte sich die Zahl der dadurch bedingten größeren Verletzungen bereits binnen kurzer Zeit drastisch.  
Stück für Stück bzw. Etage für Etage - der Tunnel war, dem Himmel sei Dank, *relativ* linear aufgebaut - näherten wir uns dem Herzstück der Anlage und fanden neben ein paar unerwarteter Weise uns bisher noch nicht bekannten Dämonen auch tatsächlich hier und da bereits ein paar der begehrten Seelensplitter, so dass wir ganz zufällig genau fünf davon in unsere (am Rande bemerkt VIEL zu kleinen) Taschen gestopft hatten, als wir durch eine Tür schritten, die sich als die letzte heraus stellen sollte. Wir fanden uns in einem Raum wieder, dessen Aufbau sanft suggerierte, dass er eigentlich einen übertriebenen Schatz berherbergen sollten, der aber statt dessen einfach nur randvoll mit Caith Sith war.

 Das es zu sozial gewesen wäre, uns die Zeit zu gönnen, um in unserer Enttäuschung darüber zu schwelgen, stand mitten im Raum ein ungesund großer Garm, der sich furchtbar darüber aufregte, dass wir sein Heim zerstört hätten. Der Gedanke, dass dies nicht nötig gewesen wäre, hätten die von uns in Stücke gerissenen Dämonen einfach freiwillig die Seelensplitter vor der Eingangstür abgelegt, schien ihm nicht einmal andeutungsweise zu dämmern und er wirkte auch nicht wirklich zugänglich für diplomatische Beschwichtigungsversuche, mit dem Ergebnis, dass wir nicht wenig Zeit damit verbrachten, wie die Halbfranzosen, die wir ja nunmal sind, um eine Reihe von Säulen zu rennen und uns dahinter zu verstecken, während wir die Dämonen anspornten,  den störenden Muschimob im Hintergrund zu zerfetzen, was diese auch mehr oder minder erfolgreich umsetzten.
Als die letzte der Katzies schliesslich ihr Leben ausgehaucht hatte und somit die Gefahr, unerwartet von Hinten angesprungen zu werden, soweit abgewandt war, blieb uns nunmehr kaum eine Wahl, als uns endlich dem Hundemutanten zu stellen, der uns zwar die ganze Zeit über sehr gemächlich verfolgt, aber nicht wirklich die Absicht gezeigt hatte, uns wirklich etwas an zu tun, doch die Tür, die der einzige Ein- und Ausgang zu sein schien, hatte sich zuvor hinter uns geschlossen und machte keinerlei Anstalten, sich freiwillig wieder zu öffnen, so dass die einzig logische Lösung natürlich war, dem dicken Garm ein bisschen weh zu tun.

Eben dieser Moppelhund sah schon von weitem so aus, als wäre seine Verteidigung nicht mal eben locker flockig mit einem kleinen Schwerthieb ins Wanken zu bringen, daher entschieden wir, dass dies der günstigste Zeitpunkt wäre, um die Fusionsangriffe, die der freundliche Typ vor Home III so hilfsbereit  zu erklären versucht hatte, einfach stumpf an zu wenden, um zu sehen, was passiert.
"Wie Sie sehen, sehen Sie nichts, warum Sie nichts sehen, werden Sie gleich sehen." - Viel war wirklich nicht mehr zu erkennen, als das Garm in einem Flammenmeer verschwand und daraufhin seine ursprüngliche Gestalt gegen einen noch sanft glühenden, leblosen Fleischklumpen eintauschte. So eindrucksvoll dieser Kräfte-Showoff auch war, so waren wir doch irgendwie enttäuscht vom schnellen Ende dieses Kampfes, was vielleicht auch ganz verständlich ist, wenn man bedenkt, dass wir uns während des Versteckspiels mental auf eine absolut epische Schlacht vorbereitet hatten.

Die Töle hatte noch nicht einmal ansatzweise aufgehört, zu rauchen, als sich in Herz erwärmender Zelda-Manier von der Decke aus ein Lichtstrahl auf den Boden ergoss, welcher schon von weitem schrie "Ey, jetz is gut, ich bring euch hier raus!" - ohne direkt auf diese nur unterschwellig vorhandene Aufforderung ein zu gehen, liessen wir unsere Blicke an dem Lichtstrahl vorbei, auf eine kleine Herde an grünen Schimmerwürfeln fallen, die offenbar einfach beschlossen hatten, aus dem Nichts auf zu tauchen und ein wenig in der Gegend umher zu schweben.
(Neu-)Gierig wie wir sind, näherten wir uns diesen natürlich. Kaum hatten wir je einen der Würfel berührt, löste sich deren Form, einfallsreich von weiterem grellen Rumgeleuchte auf, woraufhin wir je eine durchaus akzeptable Waffe sowie ein paar Edelsteine in unseren Händen vorfanden.
Überaus erleichtert darüber, dass diese Würfel uns nun wohl doch noch den Schatz gönnen sollten, den die Kammer Garms zu Beginn vermuten liess, grabbelten wir natürlich sofort auch die restlichen Schatzwürfel ab, die jedoch nicht die Absicht zeigten, es ihren Kollegen gleich zu tun und sich ob einer Berührung in eine leckere Belohnung zu verwandeln. Ungerührt schwebten die undiplomatischen Scheisswürfel einfach fröhlich weiter im Raum, bis wir uns frustriert abwandten und unsere Schritte in den Lichtkegel lenkten, welcher noch immer geduldig den Boden beleuchtete. Wie zu erwarten war, ging unsere Sicht in einem blendend hellen Leuchten unter und wir fanden uns in der Eingangshalle des Suginami Tunnels wieder, wo unser Abstieg in die Tiefe begonnen hatte.

Eine kleine Inventur verriet uns, dass wir noch immer nur die Hälfte der verlangten Seelensplitter bei uns trugen, so dass wir beschlossen, nicht noch mehr Zeit als nötig zu vertrödeln und die zweite Bronzeplakette an die Suginamitafel weiter reichten, um erneut das Portal ins Innere der Instanz betreten zu können. Dieses Mal, so schien es, sollten wir unseren Abstieg an einer vollkommen anderen Stelle beginnen, denn der komplette Aufbau des Tunnels schien sich verändert zu haben und wir trafen logischer Weise auch auf diesem Weg auf einen ganzen Arsch voll Dämonen, die keine anderen Hobbies hatten, als uns das Leben schwer zu machen, uns zugleich aber auch mit einer ordentlichen Portion Seelensplitter dafür belohnten, dass wir sie mit unseren neuen Waffen vertraut machten.

Dank der Erfahrung, die wir bei unserem ersten Versuch bereits sammeln konnten, stellte der erneute Run keine große Herausforderung dar und es dauerte nicht lange, bis wir vor einer exakten Kopie der vermeintlichen Schatzkammer standen, die von einem ähnlich Angst einflössend auftretendem, aber ebenso wenig gefährlichem Garm und seinem Mob Katzietatzies bewacht wurde. Nun, da wir wussten, wie wir die Sache angehen wollten, stellte auch keiner dieser Dämonen ein wirkliches Problem dar und bereits nach kurzer Zeit durften wir aus einer weiteren Gruppe Leuchtwürfel je einen auswählen, der uns wie auch seine Vorgänger mit ein paar feinen Dingen belohnte, die trotz allem in keinem Verhältnis zu der Mühe standen, die wir dafür auf uns genommen hatten.
Da wir aber ohnehin nicht gekommen waren, um Wüfelloot ein zu sacken, beschwerten wir uns gar nicht erst großartig sondern gaben uns mit den Seelensplittern zufrieden, von denen inzwischen dermaßen viele unsere Taschen verstopften, dass wir uns geradezu darauf freuten, sie dem alten Mann in der Kathedrale in den Rachen zu werfen.

Bei unserem letzten Einkaufsbummel hatten wir uns mit einer guten Portion hilfreichen magischen Schnickschnacks versorgt, so dass wir es uns Dank einiger ziemlich defekt anmutenden Datenknödel mit Teleportfunktion ersparen konnten, den Rückweg nach Home III zu Fuß zurück zu legen.
Wieder zurück in "heimatlichen" Gefilden bekamen wir natürlich wieder einmal kein "Dankeschön" zu hören, als der Schattenopa uns gierig die Splitterchen aus den Fingern riss und uns anwies, augenblicklich zu Snakeman zurück zu kehren, um ihm Bericht zu erstatten.
Gehorsam wie wir sind machten wir natürlich auf halbem Wege Stop, um mit einem weiteren Opa, der ebenfalls in der Kathedrale herumgammelte, zu schwatzen, welcher, hocherfreut über die Aufmerksamkeit, die wir ihm schenkten, ungefragt eine Art "Pokédexerweiterung" für und auf unsere Comps installierte und uns im selben Atemzug darum bat, diesen "Leitfaden" doch bitte mit Informationen zu füttern, indem wir die Dämonen, die wir künftig noch zähmen würden, mittels eines Datenpackages - welche es natürlich extra für diesen Zweck zu suchen galt - der Liste hin zu fügten.
Wir befolgten den allgemein gültigen Tipp "Lächeln, nicken und sich unauffällig aus dem Staub machen" und flohen schliesslich in Richtung Snakeman, um diesen von den Gegebenheiten im Sunigami-Tunnel sowie den Splittern zu berichten. Auch wenn sich uns der Sinn dieser Informationen nicht ganz erschloss, so zeigte Bartfratze sich doch sehr erfreut über unseren Bericht und belohnte uns sogleich, indem er uns eine weitere Aufgabe anbot.
Allerdings, so erklärte er, sei diese Mission erst zu erfüllen, wenn wir im Besitz von Earthies wären, welche wir aus je einem Kodama und einem Lost Huang Po fusionieren müssten, indem wir sie dem alten Mann in der Schattenkathderale übergaben; erst wenn dies geschehen sei, würde er wieder mit uns sprechen.

Die genannten Dämonen zu fangen, war kein Problem, da Home III von diesen ziemlich wehrlosen Geschöpfen umzingelt schien. Sie allerdings zu verschmelzen, löste bei uns beiden tiefe Gewissensbisse aus, denn die eigentlich recht niedlichen Kreaturen waren gezwungen, sich nach den Fusionen einen beängstigend leuchtenden und obendrein auch noch unbeschreiblich hässlichen Klumpen von Körper zu teilen, mit welchem sie nicht einmal in der Lage waren, uns vernünftig zu folgen, da die frisch erschaffenen Wesen neben Kopf und halbem, unförmigem Torso nur über einen einzelnen Arm verfügten und sich nur äusserst umständlich fort bewegen konnten.
Snakeman jedoch schien das Ergebnis zu gefallen, denn kaum hatten wir ihm die Opfer unserer Verbrechen vorgeführt, begann er, zu erläutern, welche Aufgabe wir nun erledigen durften...

 

A. am 12.11.09 05:02, kommentieren

Kapitel 1 - Akt 1: Ein dämonischer Freund

 

Nun, da Monsieur Bartfratze sich davon überzeugt hatte, dass wir in der Lage waren, uns gegen selbstverteidigungswillensamputierte Gestalten zur Wehr setzen zu könne, hielt er es für vertretbar, uns mit der, wenn man vom Klang seiner Worte ausgehen konnte, unglaublich wichtigen Aufgabe betraute, ihm je eine Pixie zu organisieren, damit er ihnen Flügelschuppen entnehmen könne, die er laut seiner Aussage zur Herstellung einer bestimmten Medizin bräuchte.
Völlig logisch war natürlich auch seine Behauptung, dass die Flügelschuppen überdurchschnittlich intelligenter Pixies ein wesentlich potenteres Grundmaterial darstellen würden als die einer gewöhnlichen Artverwandten, so dass er sich auf keinen Fall zufrieden geben würde, sollten wir ihm 08/15-Pixies bringen. Nein, es sollten gefälligst die Anführer von Pixiegruppen sein.
Er zeigte uns eine Karte der Umgebung und deutete einen kleinen Bereich, nicht weit von Home drei, an, in dem wir die von ihm beschriebenen Dämonen finden sollten. Daraufhin überreichte er jedem von uns noch ein kleines Taschengeld und letztendlich bekamen wir dann auch die offizielle Erlaubnis, uns zurück zu ziehen, um seinen Wunsch zu erfüllen.

Wer jetzt glaubt, wir seien schnurstracks in die große weite Welt marschiert, um die Besorgungen des alten Mannes zu erledigen, liegt natürlich so weit daneben, dass er schon fast wieder Recht hat.
Da man uns keine zeitliche Begrenzung auferlegt hatte - und wäre es so gewesen, hätten wir uns vermutlich aus schlichtem Trotz auch nicht anders verhalten, denn es gibt absolut nichts Schrecklicheres als Zeitspielchen - begannen wir erst einmal damit, Home III systematisch und übertrieben ausführlich unter die Lupe zu nehmen, wobei wir abgesehen von ein paar gestrandeten Yu-Gi-Oh!-Kartenfreaks, alten Männern, die ihre Ellenbogengelenke gegen eine tolle Tür eingetauscht hatten und einer Emofrau eigentlich ausschliesslich auf bisweilen recht interessante Halsabschneider, trafen. Und weil sich das halt so gehört, nutzten wir diese Chance, um uns für teures Geld neu ein zu kleiden, und uns auch endlich etwas, dass zumindest entfernt Ähnlichkeit mit Waffen hatte, zu gönnen.
Nun, nachdem wir nicht mehr komplett scheisse aussahen und mehr oder minder hilfreiche Gespräche mit Leuten wie dem Blingblingmann, dem Anhänger einer nicht identifizierbaren okkulten Sekte mit neomagischem Warenangebot und einer Apothekerin mit milden Realitätsverschiebungsproblemen (die gute Frau war fest davon überzeugt, ihre Apotheke sei eine Klinik... unter meiner Leitung. Die Kosten für unsere Einkäufe erliess sie uns natürlich trotzdem nicht.) hinter uns gebracht hatten, hielten wir es doch für angebracht, mal ein wenig Frischluft zu schnuppern und quälten uns via Treppe (Hey, Home II hatte immerhin einen Aufzug! Hallooo postapokalyptische Technik...) in Richtung Ausgang.

Bereits wenige Meter ausserhalb des Home trafen wir auf die ersten wilden Dämonen, die unsere zugegebener Maßen noch sehr unsicheren Kommunikationsversuche zumeist ziemlich verärgerten, so dass wir unsere kürzlich erworbenen Nicht-ganz-so-imba Combat Skillz auch gleich anwenden durften.
Als wir vorerst genug davon hatten, durch das völlig grundlose Töten dieser wenig Respekt einflössenden Dämonen das sicher nicht wirklich ausbalancierte Ökosystem zu zerstören, machten wir uns daran, den von Captain Fakebeard markierten Ort zu finden, wo uns tatsächlich derartig viele Anführer-Pixies im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren flogen, dass wir uns fragten, wen es für diese eigentlich noch an zu führen gab, wenn doch die Zahl der gewöhnlichen Pixies so viel kleiner war.

Während wir abwechselnd versuchten, die Pixies mit gutem Zureden zum Mitkommen zu bewegen, fanden wir ausserdem genügend Zeit, uns mit blöd in der Gegend umherschwebenden Plasmakugeln zu "unterhalten", die uns, im Gegensatz zu den fliegeden Kampflesben, für jede erfolgreiche Begrüßung augenblicklich entlohnten, indem sie sich in Luft auflösten und uns vergammeltes Dosenfutter, alte Wohnzimmervorhänge und verschwitzte T-Shirts hinterliessen. Zwar erschloss sich uns der Sinn dieser ganzen Aktion nicht wirklich, aber wir gingen - wie sich später heraus stellte, zu Recht - davon aus, diesen Schrott dem nächstbesten Händler aufschwatzen und ihm vielleicht sogar eine kleine Bezahlung dafür abknöpfen zu können.
Irgendwann hatten wir es letztendlich dann auch geschafft, zwei der Anführer-Pixies davon zu überzeugen, dass es eine unglaublich gute Idee sei, zwei Fremden zu einem unbekannten Ort zu folgen. (Liebe Kinder, seid an dieser Stelle nochmals davor gewarnt, mit Unbekannten mit zu gehen, vollkommen egal, was sie euch versprechen.  =/)
Erleichtert, und ehrlich gesagt auch furchtbar entnervt, begaben wir uns also zurück zu Snakeman, welcher nicht einmal ein Danke zu Stande brachte, sondern auch noch saufrech damit lockte, uns reich zu entlohnen, würden wir für ihn das soeben gewonnene Vertrauen der Pixies missbrauchen und ihm nicht nur erlauben, je eine Flügelschuppe zur Medikamentenherstellung zu verwenden, sondern ihnen gleich komplett die  Flügel zu amputieren. An dieser Stelle bleibt nur zu vermuten, dass dies wohl auch direkt den Tod der kleinen Feenwesen bedeuten würde, denn über die näheren Folgen dieses Eingriffs klärte Snakeman uns natürlich auch nicht auf.
Freunde, auch wenn sie keine sind, werden grundsätzlich nicht verraten und fast schuldlos ins Verderben gestürzt, somit verzichteten wir edlen Herzens und schmerzenden Portmoneys auf die angepriesene Entlohnung und erlaubten Snakey nicht mehr als das Entnehmen der einzelnen Schuppen.

Bartfratze entpuppte sich daraufhin als Anwender der Heilenden Hand, denn binnen Sekunden hatte er die erwähnte Medizin offenbar nicht nur hergestellt sondern auch angewandt, ohne uns dabei auch nur einmal den Rücken zu zu kehren. Als wäre das nicht übertrieben genug, so schien es dem Patienten auch augenblicklich wesentlich besser zu gehen, denn Snakey erklärte uns, dass es sich bei ihm bzw. ihnen um den Zerberus handelte, der Kuroe und uns auf unserem unfreiwilligen Einsatz in Home II begleitet und den Snakeman auf wundersame Weise geklont hatte, was uns im Nachhinein auch die Menge der verlangten Pixieflügelschuppen erklärte. Beide Versionen des Dämons wollten sich uns nun angeblich anschliessen. Was aus Kuroe selbst wurde, erfuhren wir nicht, statt "vererbte" Snakeman ihr digitales Visier an Fraise weiter.
An Stelle eines abschliessenden Dankeswortes für das Anschleppen der Pixies wies Snakeman uns an, die Kathedrale der Schatten zu besuchen und dort mit einem der alten Männer, mit denen wir zuvor während unseres Erkundungstrips schon flüchtig Bekanntschaft geschlossen hatten, zu sprechen, bevor er uns wieder vor die Tür setzte.

 

A. am 12.11.09 04:58, kommentieren

Kapitel 1 - Akt 0: Die Sünde der Schwäche

 

Das ganze Theater begann damit, dass die Dämonenjägerin Kuroe uns durch die Wildnis schleppte, um uns in die Grundlagen des Kampfes mit Dämonen ein zu weisen und der bis dahin eigentlich recht gemütliche Ausflug von einem Notruf  unterbrochen wurde, dem zu Folge die Funkverbindung zu Home II vor einigen Stunden abgebrochen war.
Alle sich in der Nähe befindlichen Dämonenjäger wurden dazu aufgefordert, sich ohne Umwege nach Home II zu begeben, und die dortige Lage zu überprüfen.
Da der Zufall wie sonst auch komplett auf unserer Seite stand, waren natürlich ausser Kuroe und uns keine anderen Jäger mehr in der näheren Umgebung.
Dass es unter Umständen keine sonderlich gute Idee war, zwei Azubis in eine mögliche Gefahrenzone zu schleifen, kam Kuroe gar nicht in den Sinn und da wir sicher waren, notfalls von dem spastisch zuckenden Zerberus an ihrer Seite hinterher getragen zu werden, beschlossen wir, dass es das Beste wäre, erst einmal nichts zu sagen und den beiden brav zum Serviceeingang von Home II zu folgen.

Bereits im Eingangsbereich der unterirdischen Anlage sah es ziemlich scheisse aus: Nirgendwo konnten wir auch nur eine Menschen- oder Dämonenseele entdecken und da Kuroe sich nicht in der Lage sah, einen Blick über ihre Schulter zu werfen, durften wir ihr auch noch erklären, dass der Aufzug, der uns auf schnellstem Wege in den Wohnbereich des Home gebracht hätte, kaum noch als solcher zu erkennen war.
Das wiederum führte natürlich zu einzig logischen Schlussfolgerung, dass wir uns via Treppe in die unteren Stockwerke vorarbeiten mussten und so wanderten wir also munter durch die mit undefinierbarem Scheiss verdreckten Tunnelgänge, in denen Kuroe bereits nach den ersten Metern entschloss, sich von uns zu trennen, um sich um einen Verletzten Arbeiter zu kümmern und uns über Funkt an zu weisen, ein paar größten Teils wehrlose Rotzballen und ähnliches Gesocks, das sich in den Tunneln eingenistet hatte, zu Klump zu hauen. An sich war das wohl so etwas wie die Light-Version des ursprünglich von ihr geplanten Trainings.
 
Da die Dämonen sich wie gesagt nicht großartig widersetzten, waren die herunter gekommenen Hallen binnen kürzester Zeit von allem nicht menschlichem Leben befreit und wir fanden nicht nur uns, sondern auch Kuroe samt Zerberus in unmittelbarer Nähe des Wohnbereichs wieder. Nicht weit von unserem Treffpunkt waren wir auf einen netten Herrn mit ohne Puls getroffen, dessen Tod uns angesichts der, selbst für Anfänger wie uns, lachhaften Dämonen nicht wenige Rätsel aufgab, wohingegen Kuroe angesichts des Kadavers mit einem mal deutlich befangener schien als noch wenige Minuten zuvor. Zögerlich fragte sie uns, ob wir es wirklich mit dem Schiss in unseren Hosen vereinbaren konnten, unsere Leben im Ernstfall für die der zivelen Bevölkerung von Home II zu riskieren, was wir selbstredend freudig bejahten.

Als sich die Tür zum Herzstück des Home öffnete, stellte sich heraus, dass Kuroe mit ihrer Fragerei so viel Zeit beansprucht hatte, dass ein riesiger, zart infernal angehauchter Dämon, mit Namen Taraka, gemütlich die oben genannte Bevölkerung auslöschen und Home II weitestgehend zerstören konnte.
Natürlich gehört sich so etwas nicht und dementsprechend musste man auf so ein Verhalten natürlich mit entsprechenden pädagogischen Maßnahmen reagieren, so warfen Kuroe und der Zerberus sich der Kreatur in einem verzweifelten Versuch, diese in die Wuthöhle zu verbannen, entgegen.
Zur großen Überraschung aller stellte sich schon binnen weniger Sekunden heraus, dass die Zerstörung auf zwei Beinen wesentlich stärker als unsere  Pseudohelden war und den Zerberus schockierend schnell auf die Bretter schickte.

Das Letzte, was wir mit bekamen, ehe uns aus unerfindlichen Gründen die Lichter aus gingen, war ein geröcheltes "R.. Rrr... Lauft!" Kuroes, kurz bevor ihr Gesicht, begleitet von einer nicht zu deutenden Grimasse der übertrieben bösartigen Gestalt, den Boden begrüßte.


--

Als wir die Augen öffneten, blickten wir direkt in eine irgendwie lehrerhaft anmutende Bartfratze, die ein einzelnes Auge umrandete, welches uns mit einer Gelassenheit ansah, die vermuten liess, dass sein Besitzer es gewohnt war, dass Leute vor ihm stehend aus einer Art Koma erwachten.
Übergangslos stellte sich der Augenbesitzer als derjenige vor, der in Home III für die Jägerlinzenzen verantwortlich sei und dessen Autorität somit von unglaublicher Relevanz für uns wäre. Nun gut, das waren vorerst schon mal zwei nicht ganz unwichtige Informationen: A) Bartfratze war offenbar jemand, mit dem man es sich nicht unbedingt verscherzen sollte und B) Wir befanden uns - warum auch immer - in Home III.
Allerdings gab Snakeman uns gar nicht erst die Zeit, eine dieser beiden Tatsachen zu hinterfragen, sondern schlug uns praktisch noch im selben Atemzug vor, sein virutelles Trainingsprogramm über uns ergehen zu lassen und schob uns, an einem virtuellen Mädchen, angesichts deren Schwester-Joy Charmes wir nahezu drohten, nostalgisch zu werden, vorbei in einen digitalen Raum, der gänzlich aus LED Cubes zu bestehen schien und in dessen hinterem Teil ein paar Slimes von der Art, die wir bereits in Home II so gewissenlos gemeuchelt hatten, herum dümpelten. Auch siese Individuen legten eine Aggression an den Tag, die jeden Pazifisten locker in den Schatten stellte.  
Snakeman, der sich in der Mitte des Raumes platziert hatte, erklärte uns, dass diese Kreaturen spezielle Züchtungen waren, die keinerlei Möglichkeit hatten, in irgend einer Form Schaden an zu richten.
Unsere Mutmaßungen, dass es sich bei der Rotzknödelherde vielleicht um einen Streichelzoo für behinderte gehandicappte (Klein-)Kinder handeln könnte, wurden vom Augenbesitzer in Stücke geschlagen, als dieser von uns verlangte, die wehrlosen Kreaturen mit unseren stumpfen Azubiklingen in Stücke zu hacken, was uns lehren sollte, wie ein ordinärer Angriff vollführt wird. Unsere Einwände, dass wir Ähnliches zwangsweise bereits in Home II erlebt und erlernt hatten, ignorierte Captain Fakebeard gänzlich, so dass wir gezwungen waren, unser Gewissen irgendwie zu umgehen, und die armseligen Slimes in der Luft zu zerreissen.
Erst nachdem eine Hand voll trauriger Existenzen ausgelöscht war, zeigte sich Snakeman zufrieden und führte uns in den nächsten Teil des virtuellen Raums, in dem unsere Aufgabe ebenfalls darin bestand, Dämonen, denen jegliche Würde aus dem Leib gezüchtet wurde, ins Jenseits zu befördern. Auf diese Art leitete Snakey uns durch ein paar digitale Räume, die sich jeweils nur darin unterschieden, dass die Grausamkeit, mit der wir über diese bemitleidenswerten Wesen herfallen sollten, auf Kommando unseres selbst ernannten Tutors stufenweise anstieg, da dieser uns nach und nach erläuterte, wie wir die Effektivität unserer bisher zugegeben noch dürftigen Fertigkeiten steigern konnten.
Gerade als es dank dieser wachsenden Möglichkeiten, Gewalt aus zu üben, anfing, Spaß zu machen, bekam jeder von uns zur Belohnung je einen kleinen Packen Pflaster und Kaugummi in die Hand gedrückt und Snakeman erlaubte uns schliesslich, die Digiwelt zu verlassen.

A. am 12.11.09 04:50, kommentieren

Back in the Forest

 

Noch bevor wir uns wirklich von den Erlebnissen der U-Bahnstationen Lynch-Street und King-Street erholt hatten, waren wir ein weiteres Mal durch das Loch in unserer Kammer gekrochen und bereuten es natürlich auch recht bald...

Wir fanden uns auf dem Friedhof in den Wäldern von Silent Hill wieder, der noch immer den gewohnt verlassenen Eindruck machte. Langsam schritten wir an den Gräbern vorbei, bis Eileen vor einem derselben unaufgefordert Halt machte und uns eröffnete, dass sie im Gegensatz zu uns keine komplette Analphabetin war. Natürlich schenkten wir so einer dreisten Behauptung ohne Beweise keinen Glauben und so begann sie, das rote Graffiti, das noch immer niemand von den Grabsteinen entfernt hatte, vorzulesen.

Das Gekritzel entpuppte sich bereits nach den ersten 3 Worten als Tagebuch irgendeines kleinen Kiddies, das sich offensichtlich kein Papier leisten konnte, und so war die Grenze meiner Aufmerksamkeitsspanne recht schnell überschritten. Gelangweilt ließ ich meinen Blick erneut über die verlassenen Gräber schweifen und war drauf und dran, ob Eileens beruhigend sinnfreiem Geblubber im Stehen einzuschlafen.

~ ~ ~

Wir blieben dicht bei Eileen, die zwar als einzige eine Schule besucht zu haben schien, aber im Gegenzug dazu ekelhaft kurzsichtig sein musste, denn als sie uns die Schriftzüge vorlas, musste sie ihre Nase fast an den Steinen platt drücken, um die Buchstaben darauf überhaupt als solche zu erkennen.

Hier hatte tatsächlich jemand - wohl ein Kind - seine Erlebnisse auf makabere Weise an jedem freien Platz hinterlassen. Seine Notizen weckten die Erinnerungen an das Wassergefängnis und ich schauderte unwillkürlich, als mir der höchst konzentriert in die Ferne gerichtete Blick meines Bruders auffiel. Hatte er irgendetwas bemerkt?

Milde alarmiert sah auch ich mich nun ein weiteres Mal um, konnte allerdings im ersten Moment nichts Besonderes ausmachen.

Abgesehen von ein bisschen Ungeziefer das sich im offenen Grab Walters eingenistet hatte, hatte sich auf den ersten Blick seit unserem letzten Besuch hier nichts verändert… außer vielleicht dem Hippie mit dem Stahlrohr in der Hand, der plötzlich an mir vorbeiwetzte und mich fast zu Boden riss, was jede vernünftige Formulierung einer Warnung zunichte machte. Man hätte zwar davon ausgehen können, dass mein Aufschrei dennoch warnend genug klang, aber es waren dennoch nur Sekundenruchteile, die zwischen diesem und einem Metall@Holz-Laut dicht gefolgt von einem abgehackten Schmerzenslaut seitens Aya vergingen.

Das war vielleicht nicht der beste Weg, in einen Kampf einzusteigen, aber nachdem das Überraschungsmoment-Handicap erst einmal überwunden und unsere Waffen gezogen waren, ließ sich unser kleiner Amokläufer überraschend schnell unter Kontrolle bringen. Irgendwann gegen Ende des Kampfes realisierte sogar Eileen, dass wir ihr nicht mehr zuhören und unterstützte uns nach Kräften mit ihrer Reitgerte (auch wenn ihre Nahkampfkünste nach wie vor ein wenig zweifelhaft waren).

Seltsamer Weise hielt der Mantelfatzke trotz unter dem Einfluss von Gerte, Axt und Baseballschläger rasch eintretender Bewusstlosigkeit nicht sonderlich viel vom Sterben und lag somit nur ziemlich wehrlos am Boden – Das war die ideale Gelegenheit um endlich ein bisschen Frust abzulassen und wir ließen erst nach einer ganzen Weile von dem blutigen Brei im Mantel ab, um uns wieder zu sammeln.

~ ~ ~

Obwohl die Überreste vom Langhaarmensch schon eine halbe Ewigkeit bevor wir aufhörten, auf ihn einzuprügeln, nicht mehr bluteten, war ich immer noch davon überzeugt, dass der irgendwann wieder den nötigen Elan sammeln würde, um noch einmal aufzustehen, und so suchten wir den restlichen Friedhof eher hastig ab. Es dauerte schließlich auch lange genug, Eileen vor jedem Grabstein am Nacken zu packen und ihre Nase direkt auf das Graffiti zu pressen, damit sie die Gedankenkotze dieses ehemals kleinen Jungen immer wieder unerwartet gierig auflecken konnte. (ganz zu schweigen von den Nerven, die diese Frau mit der Zeit kostete)

Als wir die Lektüre endlich brav hinter uns gebracht und die Motten, die es nicht länger in Walters Grab aushielten, als wir daran vorbeigingen, in den Boden gestampft hatten, sammelten wir noch eine Fackel auf, die Fraise nahe der Tür an der einzigen Lichtquelle lehnend fand, und verließen endlich den Friedhof.

Kaum das wir durch die Tür getreten waren und diese aus den Augen ließen, protestierte eben diese ein zweites Mal mit einem lauten Quietschen, als noch jemand hindurch schritt.

Niemand von uns erwartete einen freundlichen Überraschungsgast und dementsprechend wenig Zeit verging dieses Mal, bis Walter, in sein gewohnt ungewöhnliches Schweigen gehüllt, erneut zu Boden sackte. Die Lust, noch mehr Energie dafür zu verschwenden, den leblosen Coatman noch einmal ins Koma zu knüppeln hielt sich in Grenzen, weshalb wir das kleine Waldstück trotz der hinter uns her schneckenden Eileen sehr schnell auf Nützliches absuchten – wobei wir wiederum nicht umhin konnten, einen Brunnen, der uns schon beim ersten Besuch ins Auge gefallen war, zu bemerken. Dieser war mit definitiv zuviel Dunkelheit abgefüllt, als dass man seinen Boden hätte erkennen können.

Ich dachte mir meinen Teil dazu und wir ließen Eileen bei Walter zurück, indem wir das Waldstück durch ein Loch in der Wand wieder verließen, um uns im Apartment wieder zu erholen und Gedanken sowie Gegenstände zu ordnen.

 

A. am 12.11.09 04:47, kommentieren

Prolog

 

Schon als ich erwachte, war mir klar, dass etwas nicht stimmen konnte. Die Luft war unglaublich schwer und es muss wohl die ungewöhnliche Wärme in meinem Schlafzimmer gewesen sein, die mich geweckt hatte. Wie immer dauerte es einige Sekunden, bis ich wirklich klar sehen und mich selbst als endgültig wach akzeptieren konnte, doch was sich sah, kaum dass ich den Blick hob, ließ mich weniger an meinem Wachzustand als eher an meinem Verstand zweifeln.

Der gesamte Raum war über und über mit Rost und Blut bedeckt, nicht nur die Möbel, auch die Fenster meines Schlafzimmers waren mit einer dicken, rötlich-braunen Kruste dekoriert worden, sodass kein Lichtstrahl von Außen eine Chance hatte, das Zimmer zu erhellen. Einzig das schwache künstliche Licht im Raum machte das wenig ästhetische Zeug erkennbar und warf dafür umso dunklere Schatten, wo es nur ging.

Kaum dass ich mich erhob, ließ mich ein rauer, gepeinigter Schrei heftig zusammenfahren. Ich konnte die abgehackte Männerstimme nicht orten, doch der Laut ermunterte mich nicht sonderlich, die Tür in den Flur zu öffnen und es kostete einiges an Überwindung, schließlich doch das Schlafzimmer zu verlassen, nur um kurz darauf die fest verschlossene, ebenfalls stark mit Blut verschmierte Tür des Badezimmers zu erblicken. Ich versuchte gar nicht erst, sie zu öffnen und trat stattdessen aus dem schmalen Flur in den Wohnraum des Apartments.

Abgesehen von der dicken Schicht aus dunklem Dreck, die auch hier nahezu jeden Zentimeter bedeckte und den Blick durch die Fenster komplett untersagte, hatte sich noch so einiges hier verändert. Die gesamte Einrichtung ähnelte der meinen zwar auf den ersten Blick, doch schon ein Fernseher, der nun anstelle meines Plattenspielers auf einem kleinen Tisch neben meiner Sitzbank stand und ein penetrantes, statisches Rauschen von sich gab, ließ alles komplett anders wirken. Im nebenstehenden Regal fand ich nicht nur eine ganze Reihe an Schundromanen, die zu besitzen ich mich beim besten Willen nicht erinnern konnte, sondern wurde auch von einem mir unbekannten Gerät besetzt, das ich gar nicht genauer betrachten wollte.

Somit wandte ich mich um und ließ meinen Blick langsam, ungläubig durch den Rest des Apartments schweifen, nur um Fotos von mir unbekannten Personen zu entdecken, deren Anblick mich nicht weniger beunruhigte als die dunkle Verschmutzung der Wände und Möbel. Es dauerte nicht lange, bis mein Blick an einem dunkelgrauen Fleck an der Wand hängen blieb. Das unebene Material an dieser Stelle war mir schon oft aufgefallen, doch die erschreckende Ähnlichkeit, die eine der Verputzwulste mit einem menschlichen Gesicht hatte, war mir zuvor nie derartig bewusst gewesen. Als ich ein leises Knacken hinter eben dieser Fratze vernahm, beschloss ich spontan, das Apartment schnellstmöglich zu verlassen. Kaum hatte ich jedoch die schmale Theke, die die Küche vom restlichen Bereich des Wohnraums abtrennte, hinter mir gelassen, ertönte ein tiefes Ächzen aus Richtung der Wand und die mir angeborene Neugier zwang mich zu einem Blick über die Schulter.

Ein menschlich anmutender Körper, unbestreitbar die Quelle des nun anhaltenden und leicht obszön anmutenden Stöhnens, war dabei sich langsam aus meiner Wand zu quälen und meine Beine versagten den Dienst, als es vor mir zu Boden fiel. Angesichts der ungeübt scheinenden und bisweilen doch ziemlich spastischen Bewegungen der Kreatur, hatte sie sich erstaunlich schnell wieder aufgerichtet und streckte ihre Hand nach mir aus, offensichtlich von dem tief sitzenden Drang beseelt, mich zu erreichen.

Die halb verwesten, von einer dunklen Substanz, über deren Zusammensetzung ich nun wirklich nicht genauer nachdenken wollte, überzogenen Finger des sichtlich leidenden Wesens waren nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt, als meine Sicht verschwamm. Ein dunkler Schleier legte sich über meine gesamte Wahrnehmung, nachdem ich in das Gesicht der Kreatur blickte und als meine Sicht gänzlich erlosch, als wolle sie mich vor dem Anblick schützen, hatte sich bereits eine durchdringende Taubheit in mir ausgebreitet…

~ ~ ~


Nahezu gleichzeitig erwachten wir in unserem Bett. Ein Blick und wenige Worte genügten, um uns klar zu machen, dass wir wieder einmal beide den gleichen Traum durchgemacht hatten. In den letzten fünf Tagen war dies keine Seltenheit, oft schon hatten wir in dieser Zeit sehr seltsame und meist komplett übereinstimmende Träume gehabt, die sich jedes Mal um unser Apartment in South Ashfield Heighs drehten, welches wir vor kurzem bezogen hatten.

Bedenklicher war allerdings die Tatsache, dass wir seit Beginn dieser Träume komplett von der Außenwelt abgeschnitten waren. Ein Blick aus dem Fenster zeigte uns jeden Tag das gleiche: Dass die Welt um uns herum sich in gewohnter Weise weiter zu drehen schien, doch in den Wänden des Apartments 303 herrschte seither keine Veränderung. Der Fernseher funktionierte nicht mehr, das Radio gab zwar hin und wieder die Wiederholungen einiger Nachrichten von sich, doch meist war ein statisches Rauschen die einzige Belohnung für das Anschalten des Gerätes; selbst unsere Uhr musste irgendwann unbemerkt stehen geblieben sein, was keine große Hilfe war, denn ob des derzeit ständig Wolken verhangenen Himmels in South Ashfield war es nahezu unmöglich, auch nur eine ungefähre Tageszeit auszumachen.

Das alles wäre eigentlich noch immer halb so schlimm gewesen, wären wir nur in der Lage gewesen, Raum 303 zu verlassen.

Als wir nach dem ersten gemeinsamen Albtraum in diesem Apartment erwachten, durften wir unsere Wohnungstür fest verschlossen vorfinden. Jemand hatte von Innen unzählige Ketten angebracht, die es uns absolut unmöglich machten, hinaus zu gehen. Geduldiges, stundenlanges Klopfen schienen wie jeder Hilferuf nicht nach Außen zu dringen und niemand, der an unserer Tür vorbeiging, schien auch nur zu erahnen, dass hier etwas nicht stimmen könnte.

Als letztlich auch noch irgendein Depp meinte, uns in Form von blutrotem Graffiti auf der Innenseite der Tür das Verlassen des Apartments verbieten zu müssen, ('Don’t go out! Walter') ging das ganze Theater richtig los…

An jenem Tag fanden wir ein seltsames Loch in der Wand unseres Badezimmers und beschlossen kurzerhand, den netten Hinweis Walters zu ignorieren auf diesem Wege das Apartment zu verlassen. Das Problem war nur, dass wir uns nach einer wenig bequemen Reise durch den engen Gang des Lochs zwar nicht mehr in unserer Bude wieder fanden, sondern in einer, wie sich später herausstellte, alternativen Realität, vielleicht besser als parallele Dimension zu beschreiben…

 

A. am 12.11.09 04:45, kommentieren