Kapitel 1 - Akt 1: Ein dämonischer Freund

 

Nun, da Monsieur Bartfratze sich davon überzeugt hatte, dass wir in der Lage waren, uns gegen selbstverteidigungswillensamputierte Gestalten zur Wehr setzen zu könne, hielt er es für vertretbar, uns mit der, wenn man vom Klang seiner Worte ausgehen konnte, unglaublich wichtigen Aufgabe betraute, ihm je eine Pixie zu organisieren, damit er ihnen Flügelschuppen entnehmen könne, die er laut seiner Aussage zur Herstellung einer bestimmten Medizin bräuchte.
Völlig logisch war natürlich auch seine Behauptung, dass die Flügelschuppen überdurchschnittlich intelligenter Pixies ein wesentlich potenteres Grundmaterial darstellen würden als die einer gewöhnlichen Artverwandten, so dass er sich auf keinen Fall zufrieden geben würde, sollten wir ihm 08/15-Pixies bringen. Nein, es sollten gefälligst die Anführer von Pixiegruppen sein.
Er zeigte uns eine Karte der Umgebung und deutete einen kleinen Bereich, nicht weit von Home drei, an, in dem wir die von ihm beschriebenen Dämonen finden sollten. Daraufhin überreichte er jedem von uns noch ein kleines Taschengeld und letztendlich bekamen wir dann auch die offizielle Erlaubnis, uns zurück zu ziehen, um seinen Wunsch zu erfüllen.

Wer jetzt glaubt, wir seien schnurstracks in die große weite Welt marschiert, um die Besorgungen des alten Mannes zu erledigen, liegt natürlich so weit daneben, dass er schon fast wieder Recht hat.
Da man uns keine zeitliche Begrenzung auferlegt hatte - und wäre es so gewesen, hätten wir uns vermutlich aus schlichtem Trotz auch nicht anders verhalten, denn es gibt absolut nichts Schrecklicheres als Zeitspielchen - begannen wir erst einmal damit, Home III systematisch und übertrieben ausführlich unter die Lupe zu nehmen, wobei wir abgesehen von ein paar gestrandeten Yu-Gi-Oh!-Kartenfreaks, alten Männern, die ihre Ellenbogengelenke gegen eine tolle Tür eingetauscht hatten und einer Emofrau eigentlich ausschliesslich auf bisweilen recht interessante Halsabschneider, trafen. Und weil sich das halt so gehört, nutzten wir diese Chance, um uns für teures Geld neu ein zu kleiden, und uns auch endlich etwas, dass zumindest entfernt Ähnlichkeit mit Waffen hatte, zu gönnen.
Nun, nachdem wir nicht mehr komplett scheisse aussahen und mehr oder minder hilfreiche Gespräche mit Leuten wie dem Blingblingmann, dem Anhänger einer nicht identifizierbaren okkulten Sekte mit neomagischem Warenangebot und einer Apothekerin mit milden Realitätsverschiebungsproblemen (die gute Frau war fest davon überzeugt, ihre Apotheke sei eine Klinik... unter meiner Leitung. Die Kosten für unsere Einkäufe erliess sie uns natürlich trotzdem nicht.) hinter uns gebracht hatten, hielten wir es doch für angebracht, mal ein wenig Frischluft zu schnuppern und quälten uns via Treppe (Hey, Home II hatte immerhin einen Aufzug! Hallooo postapokalyptische Technik...) in Richtung Ausgang.

Bereits wenige Meter ausserhalb des Home trafen wir auf die ersten wilden Dämonen, die unsere zugegebener Maßen noch sehr unsicheren Kommunikationsversuche zumeist ziemlich verärgerten, so dass wir unsere kürzlich erworbenen Nicht-ganz-so-imba Combat Skillz auch gleich anwenden durften.
Als wir vorerst genug davon hatten, durch das völlig grundlose Töten dieser wenig Respekt einflössenden Dämonen das sicher nicht wirklich ausbalancierte Ökosystem zu zerstören, machten wir uns daran, den von Captain Fakebeard markierten Ort zu finden, wo uns tatsächlich derartig viele Anführer-Pixies im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren flogen, dass wir uns fragten, wen es für diese eigentlich noch an zu führen gab, wenn doch die Zahl der gewöhnlichen Pixies so viel kleiner war.

Während wir abwechselnd versuchten, die Pixies mit gutem Zureden zum Mitkommen zu bewegen, fanden wir ausserdem genügend Zeit, uns mit blöd in der Gegend umherschwebenden Plasmakugeln zu "unterhalten", die uns, im Gegensatz zu den fliegeden Kampflesben, für jede erfolgreiche Begrüßung augenblicklich entlohnten, indem sie sich in Luft auflösten und uns vergammeltes Dosenfutter, alte Wohnzimmervorhänge und verschwitzte T-Shirts hinterliessen. Zwar erschloss sich uns der Sinn dieser ganzen Aktion nicht wirklich, aber wir gingen - wie sich später heraus stellte, zu Recht - davon aus, diesen Schrott dem nächstbesten Händler aufschwatzen und ihm vielleicht sogar eine kleine Bezahlung dafür abknöpfen zu können.
Irgendwann hatten wir es letztendlich dann auch geschafft, zwei der Anführer-Pixies davon zu überzeugen, dass es eine unglaublich gute Idee sei, zwei Fremden zu einem unbekannten Ort zu folgen. (Liebe Kinder, seid an dieser Stelle nochmals davor gewarnt, mit Unbekannten mit zu gehen, vollkommen egal, was sie euch versprechen.  =/)
Erleichtert, und ehrlich gesagt auch furchtbar entnervt, begaben wir uns also zurück zu Snakeman, welcher nicht einmal ein Danke zu Stande brachte, sondern auch noch saufrech damit lockte, uns reich zu entlohnen, würden wir für ihn das soeben gewonnene Vertrauen der Pixies missbrauchen und ihm nicht nur erlauben, je eine Flügelschuppe zur Medikamentenherstellung zu verwenden, sondern ihnen gleich komplett die  Flügel zu amputieren. An dieser Stelle bleibt nur zu vermuten, dass dies wohl auch direkt den Tod der kleinen Feenwesen bedeuten würde, denn über die näheren Folgen dieses Eingriffs klärte Snakeman uns natürlich auch nicht auf.
Freunde, auch wenn sie keine sind, werden grundsätzlich nicht verraten und fast schuldlos ins Verderben gestürzt, somit verzichteten wir edlen Herzens und schmerzenden Portmoneys auf die angepriesene Entlohnung und erlaubten Snakey nicht mehr als das Entnehmen der einzelnen Schuppen.

Bartfratze entpuppte sich daraufhin als Anwender der Heilenden Hand, denn binnen Sekunden hatte er die erwähnte Medizin offenbar nicht nur hergestellt sondern auch angewandt, ohne uns dabei auch nur einmal den Rücken zu zu kehren. Als wäre das nicht übertrieben genug, so schien es dem Patienten auch augenblicklich wesentlich besser zu gehen, denn Snakey erklärte uns, dass es sich bei ihm bzw. ihnen um den Zerberus handelte, der Kuroe und uns auf unserem unfreiwilligen Einsatz in Home II begleitet und den Snakeman auf wundersame Weise geklont hatte, was uns im Nachhinein auch die Menge der verlangten Pixieflügelschuppen erklärte. Beide Versionen des Dämons wollten sich uns nun angeblich anschliessen. Was aus Kuroe selbst wurde, erfuhren wir nicht, statt "vererbte" Snakeman ihr digitales Visier an Fraise weiter.
An Stelle eines abschliessenden Dankeswortes für das Anschleppen der Pixies wies Snakeman uns an, die Kathedrale der Schatten zu besuchen und dort mit einem der alten Männer, mit denen wir zuvor während unseres Erkundungstrips schon flüchtig Bekanntschaft geschlossen hatten, zu sprechen, bevor er uns wieder vor die Tür setzte.

 

A. am 12.11.09 04:58

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