Kapitel 1 - Akt 2: Omen

 

Der Schattenkathedralenopa mit der Armversteifung erklärte uns, er würde zehn Seelensplitter benötigen und da er vermutlich zu geizig war, die Kathedrale zu verlassen und die dicht umliegenden Verkaufsstände nach den gewünschten Splittern zu durchsuchen, welche für nicht unbedingt viel Geld an eigentlich  jeder Ecke zu finden waren, war es für ihn natürlich das nahe liegendste, Snakemans neuen Azubis zwei Bronze-Scheiben (die keine Scheiben, sondern seltsam schillernde Dreiecke sind, aber sowas kann ja mal vorkommen, speziell bei bereits etwas debileren Personen) in die Hände zu drücken und diese aus zu senden, die Splitterchen zu organisieren.
Da auch wir zu geizig waren, um unser ohnehin knapp bemessenes Geld für Dinge zum Fenster hinaus zu werfen, die man vermutlich auch mit roher Gewalt in seinen Besitz bringen konnte, machten wir uns auf den Weg zum Sunigami-Tunnel, den der Kathedralenopa uns zuvor als Fund- bzw. Suchort für die verlangten Splitter empfohlen hatte.

Dort angekommen fanden wir in einer großen Halle, an deren Rand sich zwei schizophrene Zicklein nieder gelassen hatten, um vorbei ziehenden Reisenden allen möglichen Schund an zu drehen, die definitiv nur den Zweck hatte, eine bedenklich glühende steinerne Tafel zu beinhalten.
Nach kurzem Herumprobieren wurde uns auch recht schnell klar, dass die dreieckigen Bronzescheiben des alten Knackers wohl dieser Tafel geopfert werden mussten, woraufhin diese ein Portal öffnete, welches wiederum den Weg in die Tiefen des Tunnels frei gab. Zögerlich betraten wir also die Instanz und verschafften uns mit Hilfe der Karte erst einmal einen groben Überblick über das, was uns dort Unten erwarten sollte.
Alles in Allem machte dieser Ort auf den ersten Blick einen reichlich ausserirdischen Eindruck, der durch die Tatsache, dass sich in diesem augenscheinlich technikresistenten Gebiet sämtliche Türen wie von Zauberhand selbstständig öffneten, nicht unbedeingt gemildert wurde.
Kaum hatten wir die erste Halle betreten, als auch schon ein Dämonenmob über uns her fiel, der sich allerdings von denen, die wir ausserhalb des Tunnels bereits kennen gelernt hatten, nur durch seine gesteigerte Aggression unterscheid.

Zwar brachten uns die Dämonen dort nur selten in ernsthafte Schwulitäten, doch die kleine Reise in Richtung Erdmittelpunkt reicht trotzdem vollkommen aus, um uns das Pflastergeschenk Snakemans zu erklären, denn wie wir alle wissen gibt es kaum etwas, dass die Heilung ernsthafter innerer Verletzungen und Fleischwunden so gut unterstützt wie Gesundheitsdrinks Pflaster.
Es wäre nicht fair, zu verschweigen, dass die schiere Menge, in der die Gegner hier auf uns einstürmten und somit die ersten Male oft genug off Guard erwischten, durchaus ein gutes Training war, was das Timing unserer Angriffe betrifft, und auch die Dämonen - wir entschieden uns für eine der Pixies sowie einen Zerberusklon zur Unterstützung - profitierten eindeutig von diesen ersten gemeinsamen Schlachten. Zwar würde es noch dauern, bis wir einander gar nicht mehr in die Quere kommen und das Timing des jeweils anderen komplett in die Tonne treten würden, doch verringerte sich die Zahl der dadurch bedingten größeren Verletzungen bereits binnen kurzer Zeit drastisch.  
Stück für Stück bzw. Etage für Etage - der Tunnel war, dem Himmel sei Dank, *relativ* linear aufgebaut - näherten wir uns dem Herzstück der Anlage und fanden neben ein paar unerwarteter Weise uns bisher noch nicht bekannten Dämonen auch tatsächlich hier und da bereits ein paar der begehrten Seelensplitter, so dass wir ganz zufällig genau fünf davon in unsere (am Rande bemerkt VIEL zu kleinen) Taschen gestopft hatten, als wir durch eine Tür schritten, die sich als die letzte heraus stellen sollte. Wir fanden uns in einem Raum wieder, dessen Aufbau sanft suggerierte, dass er eigentlich einen übertriebenen Schatz berherbergen sollten, der aber statt dessen einfach nur randvoll mit Caith Sith war.

 Das es zu sozial gewesen wäre, uns die Zeit zu gönnen, um in unserer Enttäuschung darüber zu schwelgen, stand mitten im Raum ein ungesund großer Garm, der sich furchtbar darüber aufregte, dass wir sein Heim zerstört hätten. Der Gedanke, dass dies nicht nötig gewesen wäre, hätten die von uns in Stücke gerissenen Dämonen einfach freiwillig die Seelensplitter vor der Eingangstür abgelegt, schien ihm nicht einmal andeutungsweise zu dämmern und er wirkte auch nicht wirklich zugänglich für diplomatische Beschwichtigungsversuche, mit dem Ergebnis, dass wir nicht wenig Zeit damit verbrachten, wie die Halbfranzosen, die wir ja nunmal sind, um eine Reihe von Säulen zu rennen und uns dahinter zu verstecken, während wir die Dämonen anspornten,  den störenden Muschimob im Hintergrund zu zerfetzen, was diese auch mehr oder minder erfolgreich umsetzten.
Als die letzte der Katzies schliesslich ihr Leben ausgehaucht hatte und somit die Gefahr, unerwartet von Hinten angesprungen zu werden, soweit abgewandt war, blieb uns nunmehr kaum eine Wahl, als uns endlich dem Hundemutanten zu stellen, der uns zwar die ganze Zeit über sehr gemächlich verfolgt, aber nicht wirklich die Absicht gezeigt hatte, uns wirklich etwas an zu tun, doch die Tür, die der einzige Ein- und Ausgang zu sein schien, hatte sich zuvor hinter uns geschlossen und machte keinerlei Anstalten, sich freiwillig wieder zu öffnen, so dass die einzig logische Lösung natürlich war, dem dicken Garm ein bisschen weh zu tun.

Eben dieser Moppelhund sah schon von weitem so aus, als wäre seine Verteidigung nicht mal eben locker flockig mit einem kleinen Schwerthieb ins Wanken zu bringen, daher entschieden wir, dass dies der günstigste Zeitpunkt wäre, um die Fusionsangriffe, die der freundliche Typ vor Home III so hilfsbereit  zu erklären versucht hatte, einfach stumpf an zu wenden, um zu sehen, was passiert.
"Wie Sie sehen, sehen Sie nichts, warum Sie nichts sehen, werden Sie gleich sehen." - Viel war wirklich nicht mehr zu erkennen, als das Garm in einem Flammenmeer verschwand und daraufhin seine ursprüngliche Gestalt gegen einen noch sanft glühenden, leblosen Fleischklumpen eintauschte. So eindrucksvoll dieser Kräfte-Showoff auch war, so waren wir doch irgendwie enttäuscht vom schnellen Ende dieses Kampfes, was vielleicht auch ganz verständlich ist, wenn man bedenkt, dass wir uns während des Versteckspiels mental auf eine absolut epische Schlacht vorbereitet hatten.

Die Töle hatte noch nicht einmal ansatzweise aufgehört, zu rauchen, als sich in Herz erwärmender Zelda-Manier von der Decke aus ein Lichtstrahl auf den Boden ergoss, welcher schon von weitem schrie "Ey, jetz is gut, ich bring euch hier raus!" - ohne direkt auf diese nur unterschwellig vorhandene Aufforderung ein zu gehen, liessen wir unsere Blicke an dem Lichtstrahl vorbei, auf eine kleine Herde an grünen Schimmerwürfeln fallen, die offenbar einfach beschlossen hatten, aus dem Nichts auf zu tauchen und ein wenig in der Gegend umher zu schweben.
(Neu-)Gierig wie wir sind, näherten wir uns diesen natürlich. Kaum hatten wir je einen der Würfel berührt, löste sich deren Form, einfallsreich von weiterem grellen Rumgeleuchte auf, woraufhin wir je eine durchaus akzeptable Waffe sowie ein paar Edelsteine in unseren Händen vorfanden.
Überaus erleichtert darüber, dass diese Würfel uns nun wohl doch noch den Schatz gönnen sollten, den die Kammer Garms zu Beginn vermuten liess, grabbelten wir natürlich sofort auch die restlichen Schatzwürfel ab, die jedoch nicht die Absicht zeigten, es ihren Kollegen gleich zu tun und sich ob einer Berührung in eine leckere Belohnung zu verwandeln. Ungerührt schwebten die undiplomatischen Scheisswürfel einfach fröhlich weiter im Raum, bis wir uns frustriert abwandten und unsere Schritte in den Lichtkegel lenkten, welcher noch immer geduldig den Boden beleuchtete. Wie zu erwarten war, ging unsere Sicht in einem blendend hellen Leuchten unter und wir fanden uns in der Eingangshalle des Suginami Tunnels wieder, wo unser Abstieg in die Tiefe begonnen hatte.

Eine kleine Inventur verriet uns, dass wir noch immer nur die Hälfte der verlangten Seelensplitter bei uns trugen, so dass wir beschlossen, nicht noch mehr Zeit als nötig zu vertrödeln und die zweite Bronzeplakette an die Suginamitafel weiter reichten, um erneut das Portal ins Innere der Instanz betreten zu können. Dieses Mal, so schien es, sollten wir unseren Abstieg an einer vollkommen anderen Stelle beginnen, denn der komplette Aufbau des Tunnels schien sich verändert zu haben und wir trafen logischer Weise auch auf diesem Weg auf einen ganzen Arsch voll Dämonen, die keine anderen Hobbies hatten, als uns das Leben schwer zu machen, uns zugleich aber auch mit einer ordentlichen Portion Seelensplitter dafür belohnten, dass wir sie mit unseren neuen Waffen vertraut machten.

Dank der Erfahrung, die wir bei unserem ersten Versuch bereits sammeln konnten, stellte der erneute Run keine große Herausforderung dar und es dauerte nicht lange, bis wir vor einer exakten Kopie der vermeintlichen Schatzkammer standen, die von einem ähnlich Angst einflössend auftretendem, aber ebenso wenig gefährlichem Garm und seinem Mob Katzietatzies bewacht wurde. Nun, da wir wussten, wie wir die Sache angehen wollten, stellte auch keiner dieser Dämonen ein wirkliches Problem dar und bereits nach kurzer Zeit durften wir aus einer weiteren Gruppe Leuchtwürfel je einen auswählen, der uns wie auch seine Vorgänger mit ein paar feinen Dingen belohnte, die trotz allem in keinem Verhältnis zu der Mühe standen, die wir dafür auf uns genommen hatten.
Da wir aber ohnehin nicht gekommen waren, um Wüfelloot ein zu sacken, beschwerten wir uns gar nicht erst großartig sondern gaben uns mit den Seelensplittern zufrieden, von denen inzwischen dermaßen viele unsere Taschen verstopften, dass wir uns geradezu darauf freuten, sie dem alten Mann in der Kathedrale in den Rachen zu werfen.

Bei unserem letzten Einkaufsbummel hatten wir uns mit einer guten Portion hilfreichen magischen Schnickschnacks versorgt, so dass wir es uns Dank einiger ziemlich defekt anmutenden Datenknödel mit Teleportfunktion ersparen konnten, den Rückweg nach Home III zu Fuß zurück zu legen.
Wieder zurück in "heimatlichen" Gefilden bekamen wir natürlich wieder einmal kein "Dankeschön" zu hören, als der Schattenopa uns gierig die Splitterchen aus den Fingern riss und uns anwies, augenblicklich zu Snakeman zurück zu kehren, um ihm Bericht zu erstatten.
Gehorsam wie wir sind machten wir natürlich auf halbem Wege Stop, um mit einem weiteren Opa, der ebenfalls in der Kathedrale herumgammelte, zu schwatzen, welcher, hocherfreut über die Aufmerksamkeit, die wir ihm schenkten, ungefragt eine Art "Pokédexerweiterung" für und auf unsere Comps installierte und uns im selben Atemzug darum bat, diesen "Leitfaden" doch bitte mit Informationen zu füttern, indem wir die Dämonen, die wir künftig noch zähmen würden, mittels eines Datenpackages - welche es natürlich extra für diesen Zweck zu suchen galt - der Liste hin zu fügten.
Wir befolgten den allgemein gültigen Tipp "Lächeln, nicken und sich unauffällig aus dem Staub machen" und flohen schliesslich in Richtung Snakeman, um diesen von den Gegebenheiten im Sunigami-Tunnel sowie den Splittern zu berichten. Auch wenn sich uns der Sinn dieser Informationen nicht ganz erschloss, so zeigte Bartfratze sich doch sehr erfreut über unseren Bericht und belohnte uns sogleich, indem er uns eine weitere Aufgabe anbot.
Allerdings, so erklärte er, sei diese Mission erst zu erfüllen, wenn wir im Besitz von Earthies wären, welche wir aus je einem Kodama und einem Lost Huang Po fusionieren müssten, indem wir sie dem alten Mann in der Schattenkathderale übergaben; erst wenn dies geschehen sei, würde er wieder mit uns sprechen.

Die genannten Dämonen zu fangen, war kein Problem, da Home III von diesen ziemlich wehrlosen Geschöpfen umzingelt schien. Sie allerdings zu verschmelzen, löste bei uns beiden tiefe Gewissensbisse aus, denn die eigentlich recht niedlichen Kreaturen waren gezwungen, sich nach den Fusionen einen beängstigend leuchtenden und obendrein auch noch unbeschreiblich hässlichen Klumpen von Körper zu teilen, mit welchem sie nicht einmal in der Lage waren, uns vernünftig zu folgen, da die frisch erschaffenen Wesen neben Kopf und halbem, unförmigem Torso nur über einen einzelnen Arm verfügten und sich nur äusserst umständlich fort bewegen konnten.
Snakeman jedoch schien das Ergebnis zu gefallen, denn kaum hatten wir ihm die Opfer unserer Verbrechen vorgeführt, begann er, zu erläutern, welche Aufgabe wir nun erledigen durften...

 

A. am 12.11.09 05:02

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