Kapitel 1 - Akt 3: Der Überfall

 

Wie sich heraus stellte, wollte er, dass wir ein paar der Arbeiter im Versorgungscamp von Home III, nicht weit von selbigem, unterstützten. Was genau Bartfratze sich unter dieser Unterstützung vorgestellt hatte, erfuhren wir erst an Ort und Stelle von einer der Wachen des Camps: Wie uns schon auf dem Weg dort hin aufgefallen war, war nicht zu verleugnen, dass das Lager von einer bedenklichen Masse wilder Dämonen geradezu umzingeln war. Die Wache erklärte uns, dass in ganz Home III offenbar keine Mitarbeiter kompetent genug waren, um sich mit dem, zugegeben ziemlich aggressiven, Mob rund um das Camp an zu legen und die Versorgung des Home somit in den Händen unerfahrener Dämonenjäger wie uns läge, die offenbar in regelmäßigen Abständen dazu angehalten wurden, den Versorgungsweg von unerwünschten Haustieren zu befreien.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir wurden gebeten, uns der Cait Sith an zu nehmen, und da sinnloses Töten noch immer eine unserer absoluten Spezialitäten war, hatten wir unser Soll auch schnell erfüllt, obwohl sich die Earthies an unserer Seite als eher hinderlich heraus stellten (Nicht, dass dies einen von uns überrascht hätte...).
Dass es nicht immer empfehlenswert ist, offenehrzig zu zeigen, wozu man fähig ist, bestätigte sich ein weiteres Mal, als die Wache, begeistert von unserer Leistung, daraufhin von uns verlangte, dem Versorgungsweg weiter in Richtung Shinjuku Babel zu folgen, und auch dort alles aus dem Weg zu schaffen, was einen reibungslosen Ablauf der Versorgung von Lagerstelle und damit dem Home potentiell in Gefahr bringen könnte.
Kaum hatten wir einen kleinen Teil des Lieferwegs hinter uns gelassen, wurde uns schlagartig klar, dass es sich unter Umständen tatsächlich schwierig gestalten könnte, das Camp vollgepackt mit Waren über diesem Weg zu erreichen, denn der gesamte Pfad samt Umgebung war soweit das Auge reichte bedeckt mit äußerst kampflustigen Inugami, einigen der riesigen Caith Sith sowie einer Kreatur, die an ein fliegendes Origamikunstwerk erinnerte, und einen ebenso feindseligen Eindruck machte wie der restliche Mob um es herum.

Noch bevor der Gedanke, all das einfach sein zu lassen und kommentarlos zu verschwinden, uns auch nur streifen konnte, waren die Inugami bereits gefährlich nah an uns heran gerückt und machten sich vereinzelt bereits zum Angriff bereit, als die Earthies spontan beschlossen, ihre Existenz zu rechtfertigen. Wo möglich, schoben sie sich zwischen uns und die Inugami und auf ihren Befehl hin, brauten sich über den Köpfen der Hundedämonen kaum sichtbare Wölkchen zusammen, um sich direkt darauf mit einem fies knisternden Laut zu entladen, woraufhin die Wauwaus tot zu Boden fielen.
Der liebliche Duft von Gebratenem erfüllte die Luft, als wir uns von dem Anblick der gerösteten Hunde los rissen, um die Earthies nach Kräften zu unterstützen - bald allerdings durften wir feststellen, dass auch die elektrischen Angriffe der hässlichen Klumpen uns noch lange nicht unbesiegbar machten, da sich die Masse der Inugami schlicht nicht (wie sollte sie auch?) verringerte. Zwar verhinderte die Größe des Mobs auch erfolgreich, dass die Origamikreatur ihren Weg zu uns fand, aber der Fluss der Dämonen, deren Angriffe uns nach wie vor von allen Seiten zu zermürben suchten, schien einfach nicht abreissen zu wollen und als sich schliesslich auch noch ein Dämonenjäger, der sich uns schon zuvor in Home III kurzzeitig aufgedrängt hatte, (es aber bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht einmal wert gewesen wäre, überhaupt Erwähnung zu finden) zu uns verwirrte, sollte dies alles alles andere als ein gutes Omen sein.
Etwas planlos blieb er für einige Minuten am Rande des Mobs, der sich immer dichter um uns zu drängen schien, stehen, ehe er schließlich eine Waffe zog und zaghaft damit begann, ein paar der Inugami mit Schüssen zu attackieren. Was auf den ersten Blick wie eine nette Tat schien, reichte allerdings kaum aus, um auch nur ein paar der Dämonen zu Boden zu schicken und stachelte den übrigen Teil der Meute nur noch unnötig an.

Natürlich erwartet eine derart hilfreiche Person aber auch zumindest etwas Beachtung für ihre freundliche Unterstützung und so richtete der Dämonenjäger (dessen Namen wir an dieser Stelle natürlich nicht nennen und den wir deshalb aus Gründen der Einfachheit einfach mal RSX0815 taufen) höflich das Wort an uns, während er unbeirrt von der wachsenden Aggression der Inugami fröhlich weiter in den Mob rotzte, und erzählte uns... ich weiss nicht, was; es könnte das Wetter in Russland, die Hobbies seine Großmama oder auch der Umfang seiner Unterhosensammlung gewesen sein, auf jeden Fall hörte er einfach nicht auf zu labern, was angsichts der Tatsache, dass wir krampfhaft versuchten, uns nicht häufiger als unbedingt nötig von den Füßen reissen zu lassen, ausgesprochen unhilfreich war, zumal er sich auch von unseren betont knappen und wenig höflichen Antworten nicht verscheuchten liess.

Als wir uns nach gefühlten fünf Stunden endlich bis zum Riesenorigami, mit Namen übrigens Shikigami, vorgearbeitet hatten, durften wir zwar feststellen, dass dieses äusserst elektrizitätsresistent war, aber um auf die Idee zu kommen, ein Stück Papier einfach nur an zu zünden, musste man wahrlich kein Genie sein, so dass das Riesenvieh im Vergleich zum, selbst im Nachhinein betrachtet noch äusserst kranken, Inugamimob mehr als schnell down ging.

Das Positive an RSX0815 war, dass unsere Erleichterung, die Aufgabe der Campwache erfüllt zu haben, umso größer war, nachdem wir es geschafft hatten, einen unaufmerksamenen Moment seinerseits zu nutzen, um uns unauffällig aus dem Staub zu machen und zur Lagerstelle zurück zu schleichen, wo der Arbeiter, der uns mit dem Meucheln der Dämonen beauftragt hatte, bereits ungeduldig erwartete.
Wie zu erwarten war, hatte er auch nicht vor, uns für unsere Tat zu danken, sondern wollte vermutlich einfach nur wissen, ob wir den Weg gesichert hatten. Wir bestätigten dies guten Gewissens und bekamen die Bitte, uns nach unserer Rückkehr am Serviceeingang von Home III zu melden, mit auf den Heimweg, welchen wir auch eilig antraten, bevor der Wache noch ein Pfad in den Sinn kam, den sie uns reinigen lassen könnte.

Wieder im Home mussten wir natürlich wieder erst einmal fett einkaufen, und auch der Schattenkathedrale einen kleinen Besuch abstatten, der für Fraise in einem neuen, äusserst freundlich drein blickendem Begleiter resultierte.
Schliesslich fanden wir uns wie versprochen am Serviceeingang ein, wo die Wache uns immerhin ohne große Widerrede den Zugang zu den Arbeiterdurchgängen erlaubte und eine Zutrittskarte in die Hand drückte, durch deren Anwendung wir in eine der kleineren Lagerhallan gelantgten. Dort angekommen, fanden wir eine kleine Gruppe sogenannter Unschuldiger, für niedere Arbeiten geschaffene Androiden, vor, die allem Anschein nach gerade von einer der Wachen vollgeschnackt wurden. Ein kleines Rotkäppchen, oder genauer, ein Unschuldiger in der Form eines Kindes stach dabei besonders aus der Gruppe hervor, was nicht einmal an seiner ungewöhnlichen Kleidung, sondern vielmehr auch daran lag, dass er unaufgefordert das Wort an einen der anderen(?) Unschuldigen neben sich richtete und dabei durchaus den Eindruck vermittelte, so etwas wie Optimismus zu empfinden.

Die Zeit, uns darüber zu wundern, wurde uns allerdings nicht gegönnt, denn das Rotkäppchen hatte seine Worte kaum ausgesprochen, als die uns gegenüber liegende Tür einem immensen Durck nach gab und zusammen brach, nur um den Blick auf jemanden frei zu geben, den wir nicht unbedingt vermisst hatten:  Das Taraka, das wir zu Beginn unseres "Abenteuers" unter so unglücklichen Umständen kennen gelernt hatten, hatte offenbar beschlossen, uns einen kleinen Besuch ab zu statten.
Ungeachtet der Tatsache, dass wir nicht einmal die Zeit hatten, für das Taraka alleine Kaffee und Kuchen vor zu bereiten, schien es die großartige Idee gehabt zu haben, Freunde mit zu bringen, denn kaum hatte die wütend geifernde Kreatur sich in den Raum geschoben, drängte sich dicht hinter ihr eine Herde Shikigami in die Halle.

Aus Platz- und vermutlich auch Schissgründen hatte sich die Wache gemeinsam mit den Unschuldigen zurück gezogen, während wir gebannt den Auftritt von Taraka & Friends beobachteten. Als sich die Tür hinter den Feiglingen geschlossen hatte, (Ja ja, Schadensbegrenzung...) schien der Mob das Fehlen der Gastfreundschaft zu realisieren und zeigte sich von seiner weniger diplomatischen Seite. Natürlich waren wir somit gezwungen, die ungebetenen Besucher in ihre Schranken zu weisen und begannen damit, systematisch erst einmal die Shikigami in Flammen aufgehen zu lassen, nur um Taraka daraufhin unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zu kommen lassen zu können.
Obwohl wir ihn um einiges Angst einflössender in Erinnerung hatten, war die Kraft des Dämons kaum groß genug, um uns ernstlich ins Schwitzen zu bringen. Zwar wehrte er sich nach allen ihm gegebenen Möglichkeiten, doch das Stakkato unserer Angriffe zwang ihn schnell genug in die Knie, um den pseudobösen Auftritt komplett lächerlich wirken zu lassen.

Das Verstummen der Schlachtlaute reichte scheinbar nicht aus, um die feige Wache des Lages wieder aus ihrem Versteck zu locken. Nachdem wir den Kadaver des Taraka auf wiederverwertbare Gegenstände untersucht hatten, sahen wir unsere Arbeit im Servicebereich als abgeschlossen an und kehrten zu Snakeman zurück, den unser ungeplant langes Wegbleiben nicht im Geringsten zu stören schien, da ihm dies die Zeit gegeben hatte, den kindlichen Unschuldigen in seine Griffel zu bekommen und sich mit ihm an zu freunden.
Der alte Pädobär graturlierte uns zu diesem "unglaublich seltenen Fund" und der Taraka-Pwnage, (warum auch immer das Auftauchen des Unschuldigen jetzt auf unser Konto ging) schien sich aber nicht weiter dafür zu interessieren, uns über wetere Hintergründe der neuesten Ereignisse auf zu klären. Statt dessen schickte er uns direkt wieder hinüber in die Kathedrale der Schatten, wo man angeblich unsere Hilfe bei weiteren Forschungsarbeiten bräuchte.

 

A. am 12.11.09 05:05

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