Kapitel 1 - Akt 6: Der Obelisk der Balance

 

Unsere Begeisterung darob kann man sich vielleicht vorstellen. Blöd hin und her rennen mag im Bereich eines kleinen Kaffs oder Landstriches ja noch ganz erträglich sein, wenn man aber fast einen halben Tagesmarsch bis in die nächste Stadt und wieder zurück laufen darf, nur um dann sofort wiederum zum ersten Ziel gehetzt zu werden, einfach nur weil ein gewisser alter Sack sich zwar einen falschen Bart aber kein Handy (und jetzt alle: Halloooo, postapokalyptische Technik!) leisten kann, würde jeden guten Buddhisten aus der Ruhe bringen.

Da wir keine Wahl hatten, machten wir uns wiederum artig auf, kämpften uns am noch immer nicht ganz ungefährlichen Inugamitreffpunkt und den schwulen Pferdefeen vorbei und schlugen uns schliesslich durch das Unterholz Nakanos bis wir endlich den kleinen Tümpel erreichten, in dessen Mitte sich der Obelist dem Himmel entgegen streckte und unverändert sein irgendwie beruhigendes grünes Licht verbreitete.
Unübersehbar stand am Rande der Pfütze der Unschuldige, welcher offenbar schon von unserem Kommen informiert worden war, denn er trug uns ohne Umschweife auf, zwei Dämonenjägern, die in seiner Nähe gammelten, zu helfen.
Es schien uns am Sinnvollsten, die Arbeit auf zu teilen, indem jeder von uns einem der Jäger unter die Arme griff, aber einer der beiden machte schon von Weitem erfolgreich einen dermaßen unfreundlichen Anblick, dass sicher niemand freiwillig weiter als nötig an ihn heran getreten wäre. Nach einem kurzen Brainstorming, während dem wir auch in Erwägung gezogen hatten, das unfreundliche Gesicht einfach komplett aussen vor zu lassen, liessen wir, demonstrativ in Grumpies  Sichtweite, eine Münze entscheiden, wer sich um wessen Wünsche zu kümmern hatte.

Als kurz darauf fest stand, dass mir das Vergnügen mit dem Mann des umgedrehten Lächelns vergönnt war, erhielt jeder von uns von seinem "Vorarbeiter" eine Auflistung von Dämonen, welche sich zu Hauf im umliegenden Gemüse aufhalten sollten, und von denen wir, Suprise, Suprise, jeweils eine Hand voll von der Oberfläche des Planeten tilgen sollten.

An der simplen Tatsache, dass wir noch immer Profis im Ausüben sinnfreier Gewalt sind, hatte sich nichts geändert, so dass wir uns auch direkt aufteilten, um den Wald nach unseren Zielobjekten zu durchstreifen, die wir auch bald in tatsächlich faszinierend großen Massen vorfanden.
Zu behaupten, dass wir keinerlei Probleme gehabt hätten, den Angriffen, die auch inmitten dieser Dämonenherden von allen Seiten auf uns einprasselten, stand zu halten, wäre gelogen, denn die Kreaturen des Waldes, waren merklich stärker als das Ungeziefer, mit dem wir es während unserer ersten Tage zu tun hatten. Zwar hatte während der Suchaktionen auch hier und da mal ein Dämon versucht, sich uns in den Weg zu stellen, aber die Massen, mit denen wir uns nun konfrontiert sahen, machten das Ganze doch einen Zacken komplizierter - auch dass urplötzlich ein Einhorn von der Größe eines gesunden Mehrfamilienhauses aus dem Nichts auftauchte und versuchte, uns zusätzlich das Leben schwer zu machen, war nicht unbedingt hilfreich.
Dank unserer überragenden Intelligenz schafften wir es natürlich trotzdem, uns vor dem dicken Tier zu verstecken, ohne unsere Aufgabe komplett aufgeben zu müssen, und irgendwann ging auch der letzte der aufgelisteten Dämonen in die Knie, so dass wir erleichtert zum Obelisken zurück kehren zu konnten, um dort vom erfolgreichen Ausgang unserer Missionen zu berichten.

Hatte ich gehofft, durch das eifrige Abschlachten den unfreundlichen Dämonenjäger bei Laune zu halten, so durfte ich bei dieser Gelegenheit feststellen, dass es den "Dämonenjäger bei Laune" überhaupt nicht zu geben schien, dennoch zeigten sich beide mehr oder minder zufrieden mit unserer Arbeit und beschlossen, dass es nun, da wir unseren Teil zum Gesamtprojekt beigetragen hatten, an der Zeit wäre, dass auch sie ihre bis dahin faulen Ärsche bewegten.
Vor unseren staunenden Augen zogen die beiden eine furchtbar poserhafte Show ab und zerlegten binnen weniger Sekunden ihren "Anteil". Als sie sich letztlich davon vergewissert hatten, dass sich das Wissen darum, dass sie definitiv die größeren (Dämonen) hatten, auch wirklich in unsere Hirne eingebrannt hatte, überliess man uns einen Datenträger mit Informationen über den Obelisken und entliess uns endlich, natürlich mit dem Auftrag, die Daten zu Snakeman zurück zu bringen.

Vielleicht hatte dieser im Lotto gewonnen, möglicher Weise begann er aber auch einfach nur, uns zu mögen, denn als wir ihn aufgesucht und ihm die Informationen über den Obelisken an den Kopf geworfen hatten, entlohnte er uns wiederum mit einigen Macca. Der Betrag war zwar angesichts des Wegegelds, das wir für die Latscherei eigentlich hätten erwarten dürfen, etwas mager ausgefallen, doch wir wollten nicht risikieren, Bartfratze damit zu verärgern, ihm noch mehr aus der Tasche zu ziehen, so fragten wir ihn stattdessen, woraus unser nächster Botengang bestehen sollte.
Zu unserer Überraschung (<- und das ist vermutlich das erste Mal, dass diese Formulierung nicht sarkastisch gemeint ist!) aber schien Barty nicht im Geringsten die Absicht zu haben, uns mit einer weiteren Aufgabe zu betrauen.
Er erklärte uns, dass wir uns nicht länger von Leuten wie den beiden Poserschweinchen beim Obelisken für dämliche Azubiarbeiten missbrauchern lassen müssten, sobald wir im Besitz einer Dämonenjägerlizenz seien. Seiner Meinung nach war es langsam aber sicher an der Zeit für uns, die Prüfung für eben diesen Wisch ab zu legen, und auch wenn wir dahinter nur eine Entschuldigung vermuteten, um uns mit noch nervigeren Quests betrauen zu können, so war die Aussicht, nicht mehr von jedem daher gelaufenen Idioten für eine halbe Portion gehalten und vielleicht sogar endlich einmal angemessen für unsere Arbeit entlohnt zu werden, war durchaus lecker.

Snakeman schaffte es tatsächlich, uns mittels weniger Sätze bereits den Mund wässrig zu machen, denn nur all zu oft hatten wir wegen der fehlenden Lizenzen abwertende Kommentare zu hören bekommen oder waren einfach vor verschlossenen Türen stehen gelassen.
So erfolgreich diese Rede jedoch den Eindruck vermittelt hatte, dass wir die Prüfung noch in jener Minute beginnen sollten, so schnell wurde diese Hoffnung wiederum von Bartfratze zerschlagen, denn anstatt uns die Bedingungen für das Bestehen des Tests zu nennen, musterte er uns so ausgiebig, wie er es seit unserer ersten Begegnung mit ihm nicht mehr getan hatte, nur um abschliessend zu verkünden, dass wir ihn erneut aufsuchen sollten, wenn wir an Stärke gewonnen hatten. Damit war das Gespräch für ihn offenbar erledigt, denn er wandte sich ab, ohne auf unsere enttäuschten Minen ein zu gehen und liess uns eiskalt stehen.

Sicherlich hatten Snakemans Aufgaben uns inzwischen einige Nerven gekostet, doch dass er uns ohne jegliche Vorwarnung einfach uns selbst überlassen wollte, war durchaus ein befremdliches Gefühl und es dauerte etwas, bis wir uns mit der neu gewonnenen Freiheit anfreunden konnten, deren Zwanglosigkeit unserem Training letztlich jedoch nochmals eine völlig neue Atmosphäre verlieh.
Endlich konnten wir uns die Zeit nehmen, die Stellen des Landes zu erkunden, die uns persönlich interessierten, so dass wir den Beginn unserer "Freizeit" mit einem Besuch in Babel einleiteten, wo wir wir uns natürlich erst einmal in die Rüstungsläden verzogen und komplett neu einkleideten, damit nicht jeder Bürger dieser riesigen Einkaufshallenstadt gleich auf den ersten Blick erkannte, dass wir gerade erst aus Home III angereist waren.
Frisch getarnt setzten wir unseren Einkaufsbummel fort und organisierten uns nicht nur angemessenere Waffen und allen möglichen magischen Schnickschnack sondern stockten auch unseren Vorrat an Pflastern und Kaugummis auf, denn während der letzten Tage hatten wir vor allem letztere in erschreckend großen Mengen zu uns nehmen müssen, um nicht mitten im Kampf einen mentalen Blackout zu erleiden und unsere Einzelteile zerlegt zu werden.

Dies wiederum machte uns deutlich bewusst, dass es so langsam an der Zeit war, sich Gedanken darum zu machen, wie wir unsere Fähigkeiten effektiver erweitern und dem Training einen Hauch von Sinn verleihen konnten.
Obwohl man sicherlich annehmen könnte, dass ob der nicht wenigen anderen Dämonenjäger mindestens ein paar Leute wussten, was sie eigentlich taten, so stellte sich die Suche nach jemandem, der unsere Fragen zumindest halbwegs kompetent beantworten würde, als beinahe unmöglich heraus. Nach Stunden es fruchtlosen Nachfragens, beschlossen wir, weniger konzentriert nach Hilfe zu suchen und statt dessen nur noch hin und wieder den ein oder anderen Jäger an zu sprechen, wobei wir zwar keine Hilfe, aber zumindest die Gelegenheit zu einer kleinen öffentlichen Tanzeinlage bekomen.
Während dieser ansonsten vergeblichen Aktion war ich auf eine junge Dame gestossen, welche mich in die Geheimnisse der "Hackruns" eingewiesen hatte, welcher darin bestand, beschädigte IC Chips, die einem hier und da immer wieder mal in die Hände fielen, bei bestimmten Personen soweit reparieren zu lassen, dass sich die darauf befindlichen Daten problemlos lesen liessen und die Comps besonders leichtgläubiger Leute dazu zu nutzen, auf die Chips zu zu greifen.
Die genauen Details dieser Umstände sind mir zwar bis heute zu hoch, aber zusammen fassend könnte man die beschädigten Datenträger eine Art Schlüssel zu einer virutellen Instanz sind.

Wie der Zufall es wollte, hatten wir während unserer Reise durchaus eine Hand voll der defekten Chips ergattert und es war wohl einer dumpfen Vorahnung ihrer Relevanz zu verdanken, dass wir sie nicht gemeinsam mit dem restlichen Schund, der uns unterwegs in die Hände gefallen war, an die nächstbesten Händler verscherbelt hatten. Eine solch günstige Gelegenheit, die neuen Waffen aus zu testen und der Trainingsaufforderung zumindest schon mal anfänglich nach zu kommen, konnten wir natürlich nicht verstreichen lassen, und suchten uns sogleich einen leichtgläubigen Idioten, dessen Comp wir mit Hilfe der Chips von Innen betrachteten.
Der Kernelspeicher unterschied sich eigentlich fast nur durch den Coolheitsgrad von dem digitalen Trainingsraum in Home III - und er erinnerte an Stelle der Digiwelt ein klein wenig mehr an [The World]-Gefilde. Abgesehen von dieser, im besoffenen Zustand bestimmt obercoolen Optik, war der größte Unterschied, dass hier keine kastrierten Slimes umher dümpelten, sondern sich, kaum dass wir die ersten Meter hinter uns gelassen hatten, ein kleiner, ziemlich übellauniger Dämon vorstellte, dessen Auftritt durchaus ein gewisses Mighty-Ducks Flair aufwies.
Abgesehen von diesem gab es absolut nichts Interessantes im Speicher zu entdecken, so dass wir uns recht schnell damit beschäftigten, den infernalen Hockeydämon mit ein bisschen Gewalt zu verwöhnen.
Anschliessend blieb nicht viel Zeit, um sich darüber zu wundern, wie schnell der Dämon down gegangen war, denn kaum berührte das Gesicht unseres Opfers den digitalen Boden, da spawnte auch schon eine etwas größere Version des selbigen hinter uns und bettelte ebenfalls darum, von uns verhauen zu werden.
Dieser Prozess wiederholte sich einige Male, ohne dass der Schwierigkeitsgrad dabei sonderlich angestiegen wäre, bis die größte Variante der Kreatur es schlussendlich der ersten gleich tat und tot zusammen sackte.
Sonderlich überrascht waren wir nicht, als wir daraufhin wieder Besuch von den schwebenden Belohnungswürfeln bekamen, von denen sich auch dieses Mal nur je einer bereitwillig öffnete und uns mit einem frischen Datensatz belohnte.

Der frisch gehackte Dämonenjäger machte nicht unbedingt den Eindruck, als hätte ihn unsere Aktion sonderlich gestört und tauschte die Datenträger aus den Würfeln bereitwillig gegen je einen auf den ersten Blick ziemlich imba anmutenden Dämonen, so dass wir ihm auch gleich kompromisslos die restlichen der gesammelten Chips nacheinander in den Rachen drückten, nur um uns immer wieder dem Mighty-Duck Verschnitt auf Steroiden stellen zu dürfen und uns dafür mit einer bunten Auswahl an netten Kreaturen belohnen zu lassen. An dieser Stelle müssen der Mottenmann sowie ein paar Einhörner, die uns überlassen wurden, unbedingt genannt werden, denn sie führten uns ihr beeindruckendes Können nicht nur direkt während der nächsten Hacks vor, sondern sollten sich auch in naher Zukunft noch als fast schon unverzichtbare Begleiter beweisen

Als unser Chipvorrat schliesslich aufgebraucht war - natürlich pendelten wir zwischen den Hackruns immer wieder mal zwischen Home III und dem Lagerplatz hin und her, um unsere Vorräte auf zu stocken und die frisch gewonnen Dämonen via Fusion in immer neue Formen zu zwingen -, trieb es uns zurück nach Shinjuku, wo wir für die nächste Zeit unser Lager aufschlugen.
Äusserst angenehm wurden wir dort vom Jäger Okabe begrüßt, welcher uns einen ausführlichen theoretischen Kurs über das Abrichten von Dämonen zu Reittieren anbot. Der arme Kerl schien nicht oft Gelegenheit zu haben, jemanden so lange  bequatschen zu können, denn am Ende seiner Rede schenkte er uns nicht nur ein Paar Reitringe, sondern auch direkt die dazu gehörigen Zerberus, deren Kompetenz als Mount natürlich auch sofort ausprobiert werden musste.

Die Neugier trieb uns gepaart mit der nun wesentlich gesteigerten Mobilität sehr schnell von Babel aus in die umliegenden Gebiete, um genau zu sein, führte uns unser Weg zuerst nach Ichigaya, welches sich größten Teils durch seine Todeswüstenoptik sowie einem ausgesprochen düsteren Himmel auszeichnete, der sich wie eine riesige Pizzascheibe permanent über uns drehte.
Großteilig war die Wüstenreise ziemlich ereignislos, nur hier und da krochen ein paar aussergewöhnlich hässliche Dämonen durch den Sand, die uns unbehelligt passieren liessen, und ziemlich schnell erreichten wir über einen in den Fels gehauenen Zugang ein altes Lager, in dem allerdings abgesehen von den obligatorischen Yagiya-Geißlein eine seltsame, aber erwähnenswert unhilfreiche Frau das einzige Anzeichen von mehr oder minder intelligentem Leben war.
Lange gaben wir der zum verlieben unheimlichen Flughafenatmosphäre nicht die Gelegenheit, auf uns wirken, denn das nächste Ziel unserer kleinen Sightseeing-Tour wartete bereits in Form eines weiteren Obelisken auf uns, welcher schön mittig in Ichigaya aus einem kleinen Lavatümpel heraus ragte und wie sein Verwandter in Nakano auch von einem Unschuldigen bewacht, um nicht zu sagen: angestarrt, wurde.
Das kreative Kunstwerk, dessen Leuchten sich farblich ebenfalls wunderprächtig seiner Umgebung angepasst hatte, war aber – zumindest unserer Meinung nach - auch auf den zweiten und dritten Blick hin absolut nicht so viel Aufmerksamkeit wert, wie der Unschuldige ihm zu kommen liess und so blieb uns nichts anderes übrig, als den paralysierten Androiden einfach in Ruhe zu lassen und unseren Weg fort zu setzen.

Der Rest der Reise bis zum nächsten Punkt unseres Interesses stellte sich als etwas nerviger heraus, denn das übrige war Gebiets merklich großzügiger mit wilden und nicht unbedingt als friedlich zu bezeichnenden Dämonen gespickt.
Hätten wir uns von diesen aufhalten lassen, wäre es ab jetzt ziemlich langweilig geworden, deshalb prügelten wir uns in gewohnter Manier durch die stressigen Horden und fanden uns schliesslich vor dem Eingang zu etwas, das stark an eine Mine denken liess, wieder. Bewacht wurde der kleine Tunnel von einer einsamen Wache, die zwar erst ziemlich unfreundlich auf unserer Begrüßung reagierte, dann aber doch verhältnismäßig schnell ihre Lebensgeschichte auspackte, die uns, um der Wahrheit die Ehre zu geben, nicht sonderlich kümmerte. Schnellstmöglich übergaben wir die Wache wieder der Einsamkeit, die bestimmt schon mehr als nur einige Tage an den Nerven der armen Kreatur gefressen hatte, und betraten die Mine, die uns auch gleich freudig mit der für Lavagebiete üblichen Hitze begrüßte. Wie üblich gab es eine steinerne Tafel, die uns schon von Weitem entgegen schrie, dass wir wieder einmal irgend ein Täfelchen oder eine vergleichbare „Opfergabe“ hinterlassen müssen würden, wenn wir die Tiefen der Instanz weiter untersuchen wollten.
Zufälliger Weise hatte der auch hier aufgestellte Yagiya-Stand eben solche Dinge im Angebot – aber unser Bedürfnis, Geld aus zu geben reichte lange nicht an unsere Neugier bezüglich der umliegenden Landschaften heran und wir entschieden, das arme Geißlein erst einmal auf seinen Waren sitzen zu lassen und die kleine Vorhalle zu verlassen, um unsere Reise wieder auf zu nehmen.

Kaum hatten wir Ichigaya hinter uns gelassen, gab unser Navi den Geist auf, oder anders: Wir hatten keine Karte des weiter führenden Gebiets. Da wir auch mit Karte so gut wie keinen Orientierungssinn vorweisen können, liessen wir uns davon nicht gleich beirren, sondern wanderten weiter durch die Wüste, welche abgesehen von einem überaus suspekten Mönch nicht viel Spannendes bereit hielt. Teils vertraute, teils sehr seltsam anmutende Kreaturen krochen oder schwebten hier und da durch den Sand und wir hatten sogar Gelegenheit, an einem verlassenen Lagerplatz kurz Rast zu machen, aber unser Elan, uns einem Turm zu nähern, welcher sich in der Ferne deutlich vor dem dämmerigen Himmel abhob, schwand angesichts der Fehlenden Orientierungshilfe dann doch verhältnismäßig schnell und spätestens als mir die unzähligen Skorpione auffielen, welche hektisch durch den Sand krochen, hatte sich meine Neugier komplett gelegt. Also machten wir uns auf den Rückweg nach Shinjuku Babel, wo wieder einmal die nötigsten Erledigungen gemacht wurden, bevor wir unsere Schritte in die nächste, und wie ich hoffte, krabbeltierfreiere Richtung lenkten: Nach Shibuya.

Grob zusammen gefasst herrschte dort ein ziemlich interessanter atmosphärischer Cocktail, dessen Inhalt sich unruhig irgendwo zwischen Neon Genesis Evangelion und Silent Hill bewegte. Größeren Hindernissen begegneten wir nicht, während wir unseren Weg durch die Trümmerlandschaften schlugen und endlich den Obelisken erreichten, der ebenso spannend war, wie die in den zuerst besichtigten Bereichen. Viel Zeit verschwendeten wir nicht in seinem  blauen Licht, denn laut Karte war es nicht weit bis zum nächsten möglicher Weise interessanten Punkt in Form einer kleinen Höhle.
Diese bot schon beim Eintreten einen sehr beruhigenden Anblick, denn ringsum wuchsen Stalaktiten und Stalakmiten in Form von wirklich schönen Kristallen aus Decke und Boden, welcher ebenfalls von einer kristallartig schimmernden Schicht bedeckt war. Ziemlich linear führte der der glitzernde Höhlengang weiter bis zur obligatorischen Leuchttafel und einem kleinen Shop der Yagiya-Kette, hielt aber wie erwartet ansonsten nichts Erwähnenswertes bereit, und die gähnende Restleere scheuchte uns schnell wieder zurück auf die Straße, von der wir uns bereitwillig zu einem Hochhaus führen liessen, das aus nicht ganz ersichtlichen Gründen teilweise in den Boden gesunken war.
Da der Zugang durch diese ungünstige Position verschüttet worden war, mussten wir das Gebäude durch ein Loch in dem kleinen Schutthügel am Fuße des Komplexes betreten, was entgegen aller physikalischen Gesetze auch gut funktionierte.
Obwohl die ganze Anlage von aussen mehr nach einem gewissen französischen Turm aussah als alles andere, überraschte das Innere nicht nur mit einem komplett ebenen Boden sondern auch einer wirklich aussergewöhnlich eleganten Einrichtung, die nicht nur dicke rote Teppiche auf schockierend klar spiegelndem Marmor, sondern auch teure Kronleuchter und reichlich verzierte Fenster in den beängstigend hohen Räumen umfasste. Auf eine sehr eigene Art und Weise wusste es diese Umgebung, den Betrachter zu beunruhigen und ihm das deutliche Gefühl zu geben, an diesem Ort fehl am Platz zu sein. Allerdings war es auch hier mehr die Tatsache, dass der Zugangsbereich, der mit der üblichen Zugangsvorrichtung und den Geißlein aufwartete, ziemlich schnell zu überblicken war, die uns zum Weiterreisen animierte.

Irgendwie überraschte es uns nicht im Mindesten, als wir Shibuya verliessen und unsere Comps die Frage nach einer Map mit einem hilfreichen [no Data] beantworteten. Unser Elan, schon wieder blöd ins Blaue zu rennen, hielt sich in Grenzen und bevor wir nach Babel zurück kehrte, beschränkten wir unseren Aufenthalt im Ungewissen auch nur noch auf ein kurzes Gespräch mit einem Sektenanhänger, der es dem Mönch gleich tat und einfach nur blöd in der Gegend herum stand, auch wenn dieser hier wesentlich mehr Style vor zu zeigen hatte.

In Babel wurde es dann auch endlich Zeit, einen Plan für das weitere Vorgehen auf zu stellen, denn Bartfratzes Anfrage nach stärkeren Versionen von uns stand Nach wie Vor im Raum und wollte erfüllt werden und nun, da wir uns einen groben Überblick über die nähere Gegen verschafft hatten, blieb eigentlich auch sonst nichts anderes zu tun.
Während wir wie immer die nötigen Einkäufe erledigten, erinnerten wir uns dumpf an eine Frau in Home III, die uns damals (vor einigen Tagen ist „damals“, ja.) gefragt hatte, ob wir für sie etwas in Shinjuku Babel erledigen könnten. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir ihre Bitte abgelehnt, aus dem simplen Grund, dass wir noch nicht einmal etwas von Babel gewusst hatten. Nun aber dämmerte uns, dass sie uns vielleicht entlohnen würde, wenn wir ihr halfen.
So wanderten wir wieder zu unserem ursprünglichen Ausgangspunkt zurück, wo die nette Dame tatsächlich noch genau so emo und verlassen herum stand wie schon bei unserem ersten Treffen.
Auf unser Fragen hin erklärte sie, dass ihr Mann Home III verlassen hatte, um für sie und ihr gemeinsames Kind eine Existenzgrundlage auf zu bauen, sie aber seit geraumer Zeit nichts von ihm gehört hätte und sich logischer Weise nun unglaubliche Sorgen machte. Ausserdem schien die Gute nicht sonderlich geübt im Verdrängen von Einsamkeit, so dass ihr die Abwesenheit ihres Göttergatten gleich doppelt zu schaffen machte.
Natürlich willigten wir ein, nach ihrem Verlierer zu suchen und begaben uns wieder nach Babel, wo wir gar nicht erst lange nach dem vermissten Männchen suchen mussten, denn schon bei unserem ersten Besuch in Shinjuku war uns ein total herunter gekommener Penner aufgefallen. Schon auf den ersten Blick konnte man aus unerfindlichen Gründen erkennen, dass dieser Mann definitiv vor seiner Vergangenheit floh – allerdings stellte er sich auch als extrem geschickte Bettler heraus, denn er weigerte sich, mit uns zu Sprechen, bis wir ihn mit etwas Wasser und einem Brot versorgt hatten. Nachdem wir unser Geld in seinen gierigen Rachen gestopft hatten, bestätigte er unseren Verdacht, dass es sich bei ihm wirklich um den Gatten der Emofrau handelte und es nicht geschafft hatte, in Babel auch nur die Grenze zum Existenzminimun zu überschreiten. Mit diesen komplett unerwarteten Nachrichten kehrten wir also zu seiner Frau zurück, die uns auch gleich neugierig nach seinem Befinden und seinem Aussehen ausfragte.
Da es keinen Grund gab, die Gute an zu lügen, berichteten wir ihr also so diskret wie nur möglich, dass dem Vergangenheitsflüchtling nicht allzu gut ging. Unsere Hoffnung auf mehr als ein „Danke“ ihrerseits wurde mittels weniger Worte von ihr in den Boden gestampft und wir nahmen uns vor, unsere Zeit nicht mehr damit zu verschwenden, offensichtlich emotional verstörten Fremden zu helfen und nun tatsächlich etwas für unser Können zu tun.

Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns dafür, wieder nach Ichigaya zu gehen, um die dortigen Anlagen genauer unter die Lupe zu nehmen.
Wir kauften dem kleinen Geißlein in der Mine eine Plakette ab, die uns den Zugang in die tiefer gelegenen Bereiche des Dungeons eröffnete und machten uns dort auch gleich auf den Weg, jede Ecke der verschlungenen Höhlengänge zu erkunden. Die Dämonen, die uns dort in gewohnter Regelmäßigkeit begegneten, boten im Gegensatz zu der noch immer stellenweise von Lava dekorierten Umgebung einen abwechslungsreichen Kontrast, denn sie schienen nicht nur jede Affinität zu Feuer zu verweigern, auch zeigten sie sich diesem gegenüber verletzlich, was unseren Ausflug dank der feurig angehauchten Dämonen an unserer Seite etwas leichter machte und einen angenehmen Ausgleich dafür bot, dass die Kreaturen des Dungeons eine bis dahin ungekannte Aggression in sich trugen.
Die Instanz zeichnete sich dadurch aus, dass es immer wieder Wege gab, die in einer Sackgasse in Form eines kleinen Felsvorsprungs inmitten von Lava endeten, von denen aus man die gegenüber liegende Seite zwar erkennen, aber unmöglich ohne Umwege erreichen konnte. Das Tempo, dass wir benötigten, um alles ab zu gehen, wurde dadurch merklich gebremst und als wir schließlich sämtliche auf der Karte eingezeichneten Wege bewandert hatten, waren wir erst einmal allgemeiner Verwirrung bloss gegeben, denn abgesehen von ein paar stumpf in der Gegend umher schwebenden Seelen schien es nichts weiter zu geben. Da es sich ohne einen Durchgang irgend einer Art äusserst schwierig gestalten würde, die nächste Ebene zu erreichen, durchstreiften wir das gesamte Gebiet ein zweites Mal, um aus schliessen zu können, dass wir schlichtweg blind gewesen waren...

Nunja, waren wir nicht. Also  kehrten wir zu den Seelen zurück, in der Hoffnung, dass wir ihnen zuvor einfach nicht richtig zu gehört hatten und sie uns erklären würde, wie wir tiefer in das felsige Reich vordringen könnten. Aber die schwebenden Lichter hatten uns auch dieses Mal nicht mehr zu sagen, als dass sie einst Minenarbeiter gewesen wären, die von einer unsagbar furchtbaren Macht in den Tod gerissen wurden. Des Weiteren erhielten wir Komplimente für unsere Seelen – warum, ist bis heute absolut nicht nach zu vollziehen – und den Kommentar, dass die Seelen uns den Weg frei gemacht hätten. Nichts, was sie uns bei unserer ersten Begegnung nicht auch schon erzählt hätten und so verliess uns angesichts des fehlenden „frei gemachten Weges“ langsam aber sicher ernstlich die Lust, weiter danach zu suchen. Missmutig kehrten wir zum Teleporter zurück, der uns überhaupt erst in diesen Bereich geführt hatte und durften dort feststellen, dass die Seelen wohl wirklich ganz hilfreich gewesen waren, denn neben der Option, die Mine wieder zu verlassen, hatten wir jetzt auch noch die Möglichkeit, uns in die nächste „Etage“ porteln zu lassen, was wir natürlich auch gleich ausnutzten, damit wir erst gar nicht darüber nachdenken konnten, wie oft wir unsere Schädel eigentlich gegen die Steinernen Wände schlagen müssten, um unsere schiere Blödheit zu bestrafen.

Der zweite Teil der Mine unterschied sich kaum von dem, den wir soeben hinter uns gelassen hatten, lediglich ein zweiter, auf der Map verzeichneter  Teleporter gab einen kleinen Wink darauf, dass am Ende des Wegs endlich etwas nennenswert mächtiges warten würde.
Und tatsächlich befand sich am Ziel des Porters die zu erwartende Struktur einer typischen Bosskammer, abgesehen davon, dass wir uns nicht in einer Kammer sondern auf einer kleinen Insel inmitten eines unterirdischen Lavasees wieder fanden. Der kleine Land- bzw. Felsfleck war von einer Großfamilie an „lüsternen“ Poltergeistern bewohnt, die unseren unangekündigten Besuch irgendwie nicht halb so knorke fanden wie wir; kaum hatte sich das wie immer unangebracht große Portal hinter uns geschlossen, spie der Lavasee eine selten Hässliche Kreatur an Land, die einem übelst dicken Fleischklösschen zum Verwechseln ähnlich gesehen hätte, wäre die pulsierende Oberfläche nicht an allen Ecken mit deformierten Babyärmchen und unruhigen Fratzen bedeckt, deren Ausdruck vermuten liess, dass das dicke Bällchen seit Jahren furchtbar scheissen musste und keines der Gesichter sich freiwillig als entsprechender Ausgang bereit erklären würde. Jedenfalls hatte die Gnubbelgusche offenbar beschlossen, ihre schlechte Laune an uns aus zu lassen und walzte nun fröhlich wie ein Osterei durch die Gegend.

Die übliche Taktik, erst den kleineren Dreck ringsum, sprich: die Poltergeister, platt zu machen, war dieses mal zwar durchaus ein wenig schwieriger durch zu setzen als wir es von den Garm in Suginami gewohnt waren, doch auch hier zeigte sie schlussendlich den gewünschten Erfolg, und wir konnten uns dem dicken Babyface annehmen.
Dieses zeigte sich zwar selbst angesichts unserer Fusion Angriffe nicht wirklich beeindruckt, aber mit Engelsgeduld (und unzähligen magischen Angriffen sowie Schwerthieben) liess sich sich die hässliche Gestalt dann doch unter Kontrolle bringen, zumal die Offesive des dicken Kindes sich größten Teils auf Debuffs und ähnliche Spielereien beschränkte.
Als der Knödel nach gefühlten 4 Jahren schlussendlich sein Leben aushauchte, überraschte es uns nicht wirklich, dass wie immer eine Hand voll schwebender Belohn-dich-Würfel und der typische Lichtstrahl erschien, welcher uns wieder an den Ausgangspunkt im Eingangsbereich der Mine zurück brachte.
Die Belohnung war im Verhältnis zur aufgebrachten Mühe wie immer nicht wirklich nennenswert, aber wir hatten unterwegs dennoch genügend Müll eingesammelt, um unsere Taschen zu fülllen. Ausserdem hatten die Dämonen der Instanz unserer Ausrüstung durchaus den ein oder anderen Schaden zugefügt, so dass wir wieder einmal nach Babel zurück mussten, um den Schund zu verscherbeln und uns für den nächsten Trip vor zu bereiten, welcher uns ins alte Lager Ichigayas führen sollte...

Der Zugang zum ehemaligen Lager selbst wurde uns wieder einmal von den Yagiya möglich gemacht, die die entsprechenden Plaketten wie immer zu absolut ungerechtfertigten Preisen anboten. Aber jeder musste ja sehen, wo er blieb und wir waren immer noch in der Hoffnung, dass was auch immer in dieser Instanz lag uns zu mehr Stärke verhelfen könnte.
Eine nette Abwechslung war, dass die Plakette dieses Mal nicht von einer großen Tafel als Opfergabe eingefordert wurde sondern der Zugang stattdessen von einem kleinen Terminal direkt vor dem Eingang aus geregelt wurde, was uns einmal mehr die Gelegenheit gab, uns über sinnfreie Grafiken zu freuen. (Der Fairness halber sei an dieser Stelle aber erwähnt, dass wir später bei genauerer Betrachtung durchaus erkannten, dass diese Grafik die Ausnahme bot und nicht halb so bedeutungslos war wie ihre Vorgänger.)
Der frisch eröffnete Weg hinab ins Lager führte uns über eine Treppe in eine wohltuend zivilisiert wirkende Reihe, deutlich logisch strukturierter Räume, wofür man nach einer Reise in die bunt zusammen gewürfelten Gänge der Mine wirklich dankbarer war, als man sich vielleicht vorstellen mag.

Ob es nun enttäuschend oder aber gerade gut so war, mag nun jeder für sich entscheiden, doch wie immer waren wir keine 10 Meter gelaufen, als bereits die ersten Dämonen mit den für sie üblichen Aggressionsproblemen rings um uns spawnten. Die Subjekte hier unterschieden sich von denen, mit den wir uns in der Mine angelegt hatten, teilweise zwar nur noch äusserlich durch ihre Farbgebung, aber es war doch deutlich anstrengender, sie wieder in ihre Schranken zu weisen, was hauptsächlich daran lag, dass die großen Kellerhallen einfach Platz für wesentlich größere Herden machten, der natürlich auch komplett ausgenutzt wurde. Auch dass die Hälfte der Dämonen sich merklich stärker und engagierter für ihre Kollegen einsetzte und sie nach Kräften heilte und verteidigte, würzte den gewohnten Trott merklich und sorgte erfolgreich dafür, dass wir erst einmal ein günstigeres Timing in unsere Bewegungen bringen mussten, was wiederum verhinderte, dass uns von Anfang an vor Langeweile die Füße einschliefen.
Die Lagerräume brachten sogar eine weitere Abwechslung mit sich, und so stumpf sie auch war, so waren wir doch fast dankbar dafür, hin und wieder über einen Schalter zu stolpern, dessen Betätigung eine, stellenweise gar mehrere Schatzkisten zugänglich machte, deren Inhalt wie immer in absolut keinem Größenverhältnis zu der aufwändigen Verpackung stand. Immerhin beherbergten die Pakete nicht nur vereinzelte Pflaster oder Kaugummis sondern gaben hin und wieder auch den ein oder anderen Datensatz frei, der laut Beschriftung für je eine Dämonenrasse gelten sollte, auch wenn uns nicht ganz klar war, was man mit diesen Teilen eigentlich anstellen sollte. Unsere Vorahnung bezüglich wichtiger Gegenstände war dennoch groß genug, um die Datensätze nicht sofort weg zu werfen und lieber noch ein Weilchen mit uns herum zu tragen.
Da der Boden stellenweise komplett zerstört und/oder von knie hohem Schutt bedeckt war und wir zu blöd sind, um darüber zu steigen, zwangen uns die ausgelösten Schalter hin und wieder  dazu, riesige Umwege zu bereits besuchten Räumlichkeiten zu nehmen, um die gespawnten Leckerliekisten zu erreichen, was mit der Zeit durchaus ein wenig Nerv tötend wurde, obwohl es nicht sonderlich lange dauerte, bis man einen Blick dafür entwickelt hatte, in welcher Reihenfolge man die Räume am besten besichtigen musste, um solche Rückwanderungen zu vermeiden.
Im letzten Raum der ersten Kelleretage standen wir schließlich wieder einmal vor einem riesigen Tor, welches allerdings nicht die Absicht zeigte, es seinen Vorgängern gleich zu machen und uns den Weg frei zu geben, so dass wir gezwungen waren, die tiefer liegende Ebene durch einen unfreundlich wirkenden Aufzug zu erreichen, den wir zuvor ziemlich in der Mitte des Komplexes passiert hatten.
Nachdem wir auch die zweite Etage abgegrast hatten, in der uns inzwischen auch merklich stärkere Dämonen eine Aufwartung gemacht hatten, durften wir feststellen, dass der Fahrstuhl allgemein die einzige Methode zu sein schien, die verschiedenen Kellergeschosse zu erreichen. Allerdings erwarteten und in der tiefsten Etage entgegen unserer eigentlichen Erwartungen weder ein spontan auftauchender superdicker Dämon noch eine versteckte Tür in die weiteren Tiefen der Instanz, so dass wir wieder zum Ausgangspunkt in Form der ersten Etage zurück kehrten, wo wir uns erneut im „hintersten“ Raum einfanden, welcher uns erneut ein Mob an nicht wenig aggressiven Dämonen erwartete. Diese wirkten allerdings eher so, als seien sie nur der Form halber noch einmal dort aufgekreuzt, denn ihre Stärke war im Vergleich zu manch anderen Herden, die wir bisher ausgelöscht hatten eher unscheinbar; doch als die letzte der Kreaturen unter Einwirkung brachialer Gewalt zusammen brach, beeindruckte dies das letzte Portal wohl ausreichend, um es davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee wäre, uns den Weg frei zu machen.

Hinter der Tür fand sich eine Treppe, die wie immer komplett unbeleuchtet war, was vermutlich  nur dazu diente, nachtblinde Leute bereits beim Abstieg in die finalen Tiefen der Lagerhallen via Genickbruch aus zu sortieren. Jedenfalls führte dieser Weg zu einer weiteren riesigen Tür, vor der wir auf eine Dämonenjägerin trafen, deren wenig sinnige Erscheinung uns auch gleich deutlich machte, dass es sich bei ihr um die Tante handelte, die schon vor dem Eingang selbst gestanden und unverständliches Zeug gebrabbelt hatte.
Die Gute gab uns die üblichen Warnungen, dass es ein schlechter Plan wäre, sich hinter die Tür zu begeben und dass wir bestimmt total aufs Mowl kriegen würden, von jemandem, den sie nur Du-weisst-schon-wer nannte. Wir überprüften unsere Gesichter auf blitzförmige Narben, bevor wir ihr versichterten, dass wir keine Angst vor Leuten, deren Name nicht genannt wird, hatten und übergaben ihr, weil wir bis hierhin immer noch keinen sinnvolleren Verwendungszweck dafür gefunden hatten, die Dämonendatensätze.
Was sie damit anstellte, war uns zwar nicht ganz klar, aber immerhin schien sie sich doch über unsere Geschenke zu freuen. Die Datenträger schienen sie ausreichend zu besänftigen und wir ignorierten die wahrscheinlich gut gemeinten Warnungen der Dame ohne größere Angst vor pädagogischen Maßnahmen ihrerseits, indem wir stumpf an ihr vorbei und durch das Portal schritten.
Auf der anderen Seite erwartete uns etwas, das auf faszinierende Art und Weise an eine übergroße Turnhalle erinnerte. Hinter uns schloss sich wie immer komplett selbstständig die Tür, um eine eventuelle Flucht zu verhindern, doch unser größtes Interesse lag zu diesem Zeitpunkt komplett gegenüber, denn im hinteren Teil der Halle fand sich ein kleiner Schrein, der so übertrieben nach einem Touristenfoto-Hintergrund aussah, dass wir sofort beschlossen,  dort auch noch ein solches Bildchen zu machen, bevor wir diesen Ort wieder verlassen würden.
Aber bevor wir auch nur ans Gehen denken durften, sollten wir uns natürlich erst einmal um das eigentliche „Problem“ dieser Anlage kümmern, dass uns zwar schon beim Eintreten begrüßt hatte, aber erst jetzt tatsächlich die Aufmerksamkeit bekam, die es so dringend verlangte. Bei dem Problem handelte es sich um die wahrscheinlich dickste Prinzessin, die je jemand sehen durfte (wenn wir von einer gewissen Zelda-Cosplayerin mal absehen, aber daran möchte sich niemand erinnern...) - eine riesenhafte Kikuri-Hime, um zur Abwechslung mal Klartext zu sprechen.
Auch das Prinzesschen war natürlich nicht ohne ihren halben Hofstaat angetanzt, denn bei genauerem Hinsehen war der Boden mit kleinen Omas bedeckt, die uns mindestens so unfreundlich gesonnen waren wie ihre Cheffin. Die alten Ladies boten im Vergleich zu vorigen Widersachern sogar direkt eine Herausforderung, denn sie zeigten sich nicht nur äusserst resistent gegenüber dem Großteil unserer Angriffe, auch hatten sie eine deutliche Vorliebe dafür, uns verschiedene Zauber um die Ohren zu hauen, die längerfristig doch für mehr Schmerzen sorgten, als man meinen könnte. Trotzdem folgten wir der alten Tradition, erst die Dämonen von gewöhnlicher Größe in den Boden zu brennen, bevor wir uns Hime widmeten, welche unsere Taten zuvor schon wenig begeistert verfolgt hatte.
Die Prinzessin war den Omas nicht unbedingt unähnlich, auch sie führte uns eine bemerkenswerte Verteidigung gegen physische Angriffe vor, und auch unsere Fusionsangriffe, die wir wie immer für das dicke Teilchen aufgehoben hatten, zeigten erst einmal nicht den gewünschten Effekt. Nachdem wir so eine ganze Weile damit verbracht hatten, ihren Angriffen ausweichen zu wollen, kam uns irgendwann auch schon die Idee, die Alte einfach ein bisschen an zu kokeln, wobei Mottenmann und Zerberus eine nicht unwichtige Rolle spielten und eindrucksvoll bewiesen, dass es wirklich nichts und niemand gab, der gegen unsere gesamte Skillrange resistent sein konnte.
Kaum war diese Schwachstelle entdeckt, wurde die Prinzessin in sehr viel akzeptablerer Geschwindigkeit ihrem Ende in Form eines Herz erwärmenden Funkenregens entgegen geschickt und hinterliess schlussendlich nicht mehr als einen obligatorischen Aschehaufen sowie ein paar Belohnungswürfelchen, begleitet vom ebenfalls üblichen Lichtkegel.
Bevor wir uns an diesen gütlich taten und uns vom Lichtkegel zurück an die Erdoberfläche tragen liessen, wurden natürlich noch schnell die Touristenfotos vor der kleinen Schreinanlage geschossen. 

Wieder schien es uns am Sinnvollsten, zurück nach Babel zu reisen, um dort nicht nur unser Equip reparieren zu lassen – die Kreaturen im alten Lager schienen eine extremst feste Haut zu haben, denn ich hatte an ihren unwürdigen Leibern tatsächlich fast zwei Klingen komplett zu Schrott zerschlagen – und uns mit neuen Vorräten ein zu decken, sondern auch um die weiteren Schritte nochmals durch zu planen. Ein kleiner Kassensturz gepaart mit einem Blick auf den Marktplatz, der von horrenden Preisen beherrscht wurde, machte uns deutlich, dass es an der Zeit war, zumindest einen gewissen Minimalbetrag zusammen zu kratzen, wenn wir weiterhin ohne größere Probleme reisen wollten.
So führte unser Weg zurück in den Wald Nakanos, wo wir den restlichen Abend damit verbrachten, die umher schwebenden Plasmakugeln blöd von der Seite an zu machen und ihnen den Schrott ab zu schwatzen, den sie seit der nuklearen Katastrophe beherbergt hatten. Alles in Allem war das eine fast schon zu entspannende Aufgabe, denn abgesehen von einem kleinen Besuch des dicken Einhorns und der Tatsache, dass eine kleine Leuchtkugel, die für Gewöhnlich Fraises Waffe zieren sollte, gelegentlich im Alleingang bei mir vorbei glühte, passierte absolut nichts Interessantes; das schummerige Licht des Obelisken tat sein Übriges dazu, uns unnötig zu ermüden.
Die Händler Babels hatten offenbar wirklich eine gute Verwendung für fremdsprachige Comics sowie leere Thunfischdosen, denn der Preis, den wir im Endeffekt für einen großen Karren Müll heraus schlugen, konnte sich durchaus sehen lassen – die nächsten Ausgaben für Tunnelplaketten und ähnliche Späße sollten also kein Problem mehr darstellen.

Frischen Elans machten wir uns also daran, in Ichigaya sowohl das alte Lager als auch der Mine nochmals auf zu suchen, um uns durch die Gegnerscharen zu schlachten, was im Endeffekt zwar schneller zum ersehnten Erfolg führte als wir eigentlich gedacht hatten, uns aber trotzdem das Gefühl vermittelte, Jahre in den Kellern und Minenschächten verbracht zu haben. Leider waren wir fast schon zu erschöpft, um uns ernsthaft über die gewonnene Erfahrung zu freuen, als wir schliesslich todmüde den Rückweg aus Ichigaya antraten.
In Babel wurde zu diesem Zeitpunkt gerade der Beginn eines Events verkündet, bis zu dessen Beginn nur noch wenige Minuten verlieben. Angesichts unseres geistigen Nullzustandes hielten wir es für eine durchaus entspannende Sache, uns den Spaß einfach mal mit an zu sehen und begaben uns zu dem angekündigten Veranstaltungsort: Dem Nakano-Obelisken.

Wie immer dauerte es natürlich viel länger als geplant, bis sich alle Teilnehmer des Events eingefunden hatten, so dass wir es uns in der Zwischenzeit in einiger Entfernung zum eigentlichen Treffpunkt im Gras bequem machen konnten, um das Geschehen mit einem gesunden Sicherheitsabstand verfolgen zu können, ohne als Teilnehmer miss-betrachtet zu werden. Irgendwann hatte es die Masse auch geschafft, sich zu halbwegs zu organisieren und hatte irgendwann während des Einnehmens einer linienförmigen Formation beschlossen, dass  sich abgesehen von den zwei Eventorganisatoren alle Teilnehmer komplett ausziehen müssten. Als die Organisatoren dann noch erklärten, dass das Ganze Spiel daraus bestand, dass die Teilnehmer sich von ihnen durch den Wald jagen lassen mussten, war die KZ-Referenz komplett. Allerdings schien das die „Schäfchen“ wenig zu stören, so dass sie sich tatsächlich fast eine geschlagene Stunde lang in Unterwäsche durch das Gemüse jagen liessen, bis die übrig gebliebenen endlich zu den Siegern ernannt und mit dem Versprechen, postwendend ihre Preise zu erhalten, wieder in die Freiheit entlassen wurden.
Zugegebener Weise wäre die Aktion nur halb so amüsant gewesen, wenn die Hälfte der  Teilnehmer sich nicht bis zuletzt als vollständig informationsresistent gezeigt hätte, indem sie bis zum Schluss immer wieder Regelfragen durch den Wald gebrüllt hätten, doch irgendwie waren wir uns hinterher noch immer nicht ganz sicher, ob wir angesichts des dargebotenen Schauspiels nun lachen oder weinen sollten.

 

A. am 12.11.09 05:10

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